Rezension: Spiegelkind (Alina Bronsky)

4faesschen
(c) Arena Verlag

Als ich sah, dass Alina Bronsky ein neues Buch veröffentlicht hat, war ich sofort neugierig. Nachdem ich bereits „Scherbenpark“ verschlungen habe und auch „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ meinen Ansprüchen gerecht werden konnte, waren meine Erwartungen recht hoch. Ein Jugendbuch sollte es dieses Mal sein, der Auftakt zu einer Fantasytrilogie.

Juli, ein fünfzehn Jahre altes Mädchen lebt in einer Welt, in der Normalität das wichtigste Gut ist und deren Einhaltung streng überwacht wird. Alles, was nonkonform ist, wird ausgegrenzt und ausgesperrt. Eines Tages kommt Juli nach Hause und stellt fest, dass ihre Mutter verschwunden ist. Während der Vater und die Polizei trotz des Chaoses in der Wohnung steif und fest behaupten, dass sie die Familie im Stich gelassen habe, glaubt Juli kein Wort. Auch in der Schule hat sie es gerade nicht leicht. Ksü, ein Mädchen, das überhaupt nicht in das einheitliche Erscheinungsbild der Schule passt und die sogar ein Schlangentattoo auf dem Schädel trägt, wird ausgerechnet ihrer Patenschaft unterstellt. Doch Ksü weiß auch Dinge, die Juli bisher verborgen blieben und als Juli erfährt, dass ihre Mutter eine Phee ist und Phee nicht, wie sie bisher glaubte, nur ein Schimpfwort ist, verändert sich ihre Sicht auf ihr Leben und ihre Umgebung.

„Wenn Du mir nicht hilfst,w erde ich sterben,“ sagte der Mann. „Wenn Du am Leben bleibst, zahlst Du einen hohen Preis“, sagte die Frau. „Und ich und meine Kinder auch.“

Nur langsam, ganz langsam eröffnet sich dem Leser die Sicht auf Julis Welt. Hat man zunächst noch den Eindruck, Julis Geschichte spiele in unserer Welt, erfährt man Stück für Stück, dass es sich um eine Fantasywelt mit dystopischen Zügen und einer guten Portion Mystik und Magie handelt. Juli, zunächst behütet und naiv, lernt selbst erst viele Aspekte ihrer eigenen Gesellschaft kennen und beginnt, einen kritischen Blick darauf zu werfen. Der Leser begleitet sie dabei. Für Juli Selbstverständliches bleibt demnach davon ausgeschlossen, so dass auch am Ende des Buches nicht alle Fragen geklärt sind.

Das Buch ist jedoch, einmal in Fahrt gekommen, spannend, es entwickeln sich neue Beziehungen, und man taucht immer tiefer in die Geschichte ein, rätselt mit und würde so manches Mal am liebsten Juli einen Schubser verpassen, wenn sie gar zu naiv ist. Den Vater, einen zutiefst unsympathischen Charakter, dessen Innerstes verborgen bleibt und dessen Äußerungen und Handlungen so gar nicht liebenswürdig sind, möchte man ununterbrochen würgen und doch auch verstehen, was seine Motivationen sind.
Die beginnende Freundschaft zu Ksü und ihrem Bruder, die meiner Meinung nach die interessantesten Charaktere sind, bildet eine wichtige Basis der Handlung und trägt das ganze Buch. Die fantastischen Elemente in Julis Welt drohen manchmal in alle Richtungen auseinander zu laufen wie Pfannkuchenteig, es ist schwierig ein Gesamtbild mit Regeln zu formen. Ein Telefonanruf zum Beispiel, bei dem Juli spontan das Geburtsdatum ihrer Mutter wählt und sie dann sogar am Apparat hat, wirkt wie ohne Bezug ins Buch hineingeworfen. Eine Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht und ist auch nicht in anderen Zusammenhängen ersichtlich.

Zum Ende hin nimmt der Roman an Tempo zu, es erschließen sich Zusammenhänge und gerade als man glaubt, dass man weiß, wie alles zusammen hängt, endet das Buch mit einem Satz, der alles wieder in Frage stellt und den Leser sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt.

Fazit: Ein lesenswerter Auftakt zu einer Trilogie mit authentischen Charakteren und einer zwar manchmal nicht durchdacht wirkenden, aber dennoch interessanten Welt und einer fesselnden Handlung. Die Altersempfehlung ab 11 Jahren würde ich allerdings nicht unterstützen. Ein wenig älter dürften die jungen Leser schon sein.

Mein Dank gilt dem Arena-Verlag für das Leseexemplar, lovelybooks sowie Alina Bronsky für das Begleiten der Leserunde.

Mein Leseexemplar wandert demnächst beim Tauschgnom. Wer das Wanderbuch mitlesen mag, kann ja mal reinschauen.

© Tintenelfe

Advertisements

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Katja
    Jun 13, 2014 @ 09:42:28

    Oh, ich sehe gerade, dass du das Buch ja auch gelesen hast. Habe das Buch aus der Bibo und gestern damit angefangen. War mir gar nicht bewusst, dass es sich um eine Triologie handelt.
    LG
    Katja

    Gefällt mir

    Antwort

  2. Trackback: Rezension: Spiegelriss (Alina Bronsky) | Tintenhain

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Hier gehts zur Top 100 Buchblogger
Die Top100 Literatur-Seiten im Netz
%d Bloggern gefällt das: