Jörg Steinleitner: Aufgedirndlt [Rezension]

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(c) Piper

Am Morgen nach dem überregional beachteten Seefest in einem Tal der Bayrischen Alpen findet ein Rentner die leicht bekleidete Leiche eine jungen Mädchens. Ein Fall für die, wie mehrfach betont wird, aus dem Rheinländischen stammende, alleinerziehende, fantastisch aussehende Anne Loop. Da das Alpental gerade von einem arabischen Ölscheich heimgesucht wird, der ein Casting unter den einheimischen Frauen durchführt, um eine sechste Ehefrau für seinen Harem zu suchen, fällt der Verdacht schnell auf diesen Mann und sein Gefolge. Nicht zuletzt, weil die Frau, die offensichtlich zu einer Gruppe von freizügigen „Amazonen“ aus Sachsen gehört und die ebenfalls am Casting teilnimmt, auf dem Gut Kaltenbrunn gefunden wird, auf welches der Emir ein Auge geworfen hat. Doch der Ölscheich ist nicht der Einzige, der als Täter in Frage kommt.

„Aufgedirndlt“ ist das erste Buch, das ich von  Jörg Steinleitner gelesen habe. Zuvor ist mit der supersexy Kommissarin Anne Loop bereits der Roman „Tegernseer Seilschaften“ erschienen. Ich hatte jedoch nicht den Eindruck, dass es unbedingt nötig war, diesen zu kennen, da die Hauptfiguren mit ihren Eigenheiten ausführlich vorgestellt werden und kaum Bezug auf den früheren Fall genommen wird, was den Einsteig sehr erleichterte.

Steinleitner spielt in diesem Roman natürlich mit sämtlichen Klischees gegenüber Arabern, Ostdeutschen, Norddeutschen und auch Bayern, dass es einerseits witzig ist und andererseits schon wieder so überzogen, dass man sich fragt, was davon dann vielleicht doch die Vorurteile des Autors widerspiegelt. Nach einer Zeit war ich dann auch entsprechend genervt. Genauso wie ich irgendwann bald nicht mehr lesen mochte, welche Assoziationen die wahnsinnig toll aussehende Anne Loop bei den Männern auslöst, deren Kollegen sich zum Teil dermaßen beschränkt verhalten, dass man nur noch müde den Mundwinkel hochziehen kann. Sei es nun der während der Besprechung Fliegen jagende Chef oder der dauertrottelige, und doch „irgendwie fast schon wieder ein bisschen süße“ Seppi.

Das Buch liest sich jedoch schnell und flüssig und hat mir auch so manchen Lacher entlockt. Sehr enttäuscht war ich allerdings von der Lösung des Kriminalfalls, der weniger von Angelina Jolie, äh, ich meine natürlich Anne Loop, als von Kommissar Zufall gelöst wird. Wer also schnellen, übertriebenen Klamauk für den Sommertag wünscht, ist mit „Aufgedirndlt“ bestens bedient, auf der Suche nach einem interessant gestrickten Krimi sollte man das Buch aber lieber links liegen lassen.

Reihenfolge der Anne Loop – Krimis

© Tintenelfe

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Verena
    Okt 11, 2013 @ 09:32:41

    Du sprichst mir absolut aus der Seele! Mich haben nach gewissen Zeit (also ziemlich bald) auch die völlig überzogenen Klischee-Darstellungen genervt. Ebenso finde ich die klugscheißende Loop auf der anderen Seite genauso nervtötend, von der Lobpreisung ihrer ach so wunderbaren Schönheit ganz zu schweigen.. Ich komme aus Bayern, und kenne schon auch so ein paar „hoglbuachene“ Kandidaten, aber so grenzebil wie die Bayern in dem Buch „lustig“ dargestellt werden, ist nicht wirklich lustig…

    Ganz besonders enttäuschend der langweilige Schluß. Als ob der Schriftsteller plötzlich keinen Bock mehr auf das Buch hatte, und ein schnelles Ende einfach her musste.

    Fazit: Räuberdatischi war wesentlich witziger, wenn auch schon sehr überzogen..

    Zwischendurch musste man schon mal schmunzlen, aber direkt empfehlen kann ich das Buch nicht.

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