Annette Hohberg: Ein Sommer wie dieser [Rezension]

(c) Knaur
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„Ein Sommer wie dieser“ ist eines unserer Lesekreisbücher für diesen Sommer. Eigentlich ist es sogar ein Lesekreistransfer zwischen meinen beiden Lesekreisen. Denn eines gemütlichen Abends bei den „Buchschätzern“, demnächst stelle ich sie Euch mal genauer vor, stellte Heike, die immer auf dem neuesten Stand ist, dieses Buch von Annette Hohberg vor. Der geschätze Monsignore unserer Runde stimmte in ihr Lob ein. Ausschlaggebend für mein Interesse aber war wohl Heikes Satz: „Ach Mona, für Dich ist das eher nichts.“
Widerstand regte sich in mir und ich dachte: „Wieso? Geht doch gar nicht um bluttriefende, irgendwo getackerte Leichen, abgehackte Gliedmaßen und entführte Kinder?! Das will ich jetzt erst mal sehen, ob das nichts für mich ist!“
Beim nächsten Mal in meinem anderen Lesekreis, wir nennen den einfach „Buchclub“, habe ich das Buch dann für den Sommer vorgeschlagen und stieß auf Zustimmung. Nun bin ich gespannt, was die anderen sagen, denn ich fand das Buch richtig toll.

Klara und Stephan lernten sich im Urlaub in Italien kennen und verbrachten eine traumhafte, bis zum Verrücktwerden verliebte Urlaubswoche miteinander. Doch so wie das Schicksal die beiden zusammengeführt hat, so trennt es sie auch wieder und beide gehen ihre eigenen Wege – getrennt voneinander, aber nie vergessend.
Durch einen pikanten Zufall begegnen sie einander 20 Jahre später wieder, sofort flammt die alte Leidenschaft auf. Doch Klara ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, Stephan ist leidenschaftlicher Single und stürzt sich immer wieder in neue Affairen mit seinen Studentinnen. Können die beiden nach so vielen Jahren wieder da anknüpfen, wo sie aufgehört hatten? Lässt sich ein Leben einfach neu beginnen? Es kommt der Tag, an dem die Entscheidung gefällt werden muss.

Ist es ein unfassbares Glück, wenn jemand seiner ersten, verloren geglaubten Liebe wiederbegegnet oder eine furchtbare Katastrophe, die das ganze bisherige Leben auf den Kopf stellt? Was wiegt mehr? Der glückliche Moment, der Rausch der Gefühle oder die Stabilität und Sicherheit der Familie? Lässt sich das Rad des Lebens zurückdrehen?

Annette Hohberg schreibt ausdrucksvoll, einfühlsam, wortgewandt und zum Teil sehr poetisch. Sprachlich ist dieses Buch auf jeden Fall eines der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Mir gefallen die leisen Töne, die tiefer gehenden Gedanken, die behutsame Auseinandersetzung mit dem Konflikt. Gut gelungen finde ich auch die Beschreibung des Dilemmas, in welchem Klara steckt, das Abwägen und auch die starken, verlorenen gelaubten Gefühle, die bei einer Trennung wieder aufflammen können. Annette Hohberg geht sehr sensibel mit dem Thema um und wird meiner Meinung nach dabei auch nie kitschig.

Beim Lesen kam mir jedoch der Gedanke, ob es wohl so viele Zufälle, wie sie Klara und Stephan erleben, tatsächlich geben kann oder ob hier nicht einfach der Story wegen, etwas dick aufgetragen wurde. Aber dann dachte ich mir, warum nicht. Das Leben ist so unberechenbar und besteht letztendlich doch aus Zufällen, warum dann nicht auch in einer solchen explosiven Mischung wie bei Annette Hohberg.

Ein Buch, was ich unbedingt empfehlen kann und dem ich viele Leser wünsche. Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, ob es für eine Diskussion in einem Lesekreis geeignet ist, wird sich im September beim nächsten Treffen des „Buchclubs“ zeigen.

©Tintenelfe

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7 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Lesestoff. Neu bei uns. | Burgkirchen liest
  2. Beatrix Petrikowski
    Jul 03, 2014 @ 18:43:01

    Wenn es sich hier auch um eine Liebesgeschichte handelt, die das Mitgefühl des Lesers erzeugt, ist es doch keine triviale Geschichte, die wirklich nachdenklich macht.

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  3. Nanni
    Aug 25, 2012 @ 22:06:56

    Sehr schöne Rezi 🙂 Bin voll und ganz deiner Meinung.
    Ich hab ganz oft überlegt, ob es wirklich das Thema ist, die Irrungen und Schicksalsschläge, die Entscheidungen, die Klara und Stephan treffen müssen, die mich so stark berühren, oder liegt es an der Intensität, die Annette Hohbergs wundervolle Schreibe hat? Egal, was es war, das mich bewegt hat, es war toll und auch ich kann das Buch empfehlen 🙂

    LG Nanni

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  4. Monsignore Erich, OCist
    Aug 25, 2012 @ 19:52:14

    … „der geschätzte Monignore unserer Runde“ .. Danke für diese Wertschätzung!
    Ich habe dieses Buch in Windeseile gelesen. Es geht ans Herz und sprengt übliche Prosakategoriern.

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    • Tintenelfe
      Aug 26, 2012 @ 00:52:12

      *g* Wenn Du nicht noch eins nachgesetzt hättest, vielleicht hätte ich mich von Heikes „Das ist nichts für Dich“ abschrecken lassen. Also ein herzliches Dankeschön! Und ja, ich schätze Deine Meinung sehr, kann mich nicht erinnern, dass Du schon mal ein „doofes“ Buch vorgeschlagen hättest. „Die Wälder am Fluss ist bisher auch super, unheimlich intensiv.

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