Timur Vermes: Er ist wieder da [Rezension]

Nach 66 Jahren erwacht der 1945 für tot erklärte Adolf Hitler auf einem verlassenen Grundstück in Berlin. Wie er dahin gekommen ist und durch welche Sprünge im Zeit-Raum-Kontinuum der Zeitsprung stattgefunden haben soll, ist völlig unerheblich und wird auch nicht weiter thematisiert, aber eins ist klar:
„Er ist wieder da!“

Cover (c) Eichborn Verlag

©Eichborn

Zunächst hat Hitler etliche Anpassungsschwierigkeiten und versucht, sich im heutigen Berlin zurecht zu finden. Was immer ihm dabei begegnet, wird gnadenlos in sein unverändertes Weltbild eingepasst. So muss trotz des fehlenden Geschützdonners noch Krieg sein, da die Radfahrer mit durchlöcherten Helmen durch die Gegend fahren und die Türken sind wohl allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch an der Seite der Deutschen in den Krieg eingetreten oder wo kommen die sonst alle her? Ein Kioskbesitzer nimmt sich seiner an und verhilft ihm nicht nur zu der Erkenntnis, dass er sich im Jahre 2011 befindet, sondern auch zu einem Vertrag bei einem Fernsehsender. Adolf Hitler ist schier begeistert, als er entdeckt, was man mit dem Fernsehfunk und vor allem auch diesem Internetz alles erreichen kann. Er hat den perfekten Türöffner für das Weiterverfolgen seiner politischen Pläne entdeckt und findet sich erstaunlich schnell zurecht, tatkräftig unterstützt von alle jenen, die eigentlich Profit aus dem neu entdeckten Stern am Comedy-Himmel schlagen wollen.

Der Roman von Timur Vermes ist schon auf den ersten Blick ein echter Eyecatcher, das Cover lässt gar nicht erst Missverständisse aufkommen, wer da wieder da ist. Spätestens der Blick auf den Preis von € 19,33 sollte letzte Zweifel ausräumen.

Timur Vermes ist es gelungen, einen intelligenten, satirisch-witzigen Roman über Hitler zu schreiben, ohne dabei in Klamauk abzurutschen. Er legt den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft und zeigt  humorvoll, woran es nicht nur in politischer Hinsicht krankt. Manchmal muss man sich vor lauter Zustimmung besinnen, wer da eigentlich in der Ich-Person spricht und auch der Autor holt den Leser so manches Mal wieder auf den Boden der erschreckenden Realität zurück, wenn er Hitler einer Frau begegnen lässt, die ihre ganze Familie durch den Holocaust verloren hat. – Nicht, dass dieser hier auch nur ansatzweise seine Taten überdenken würde. Vermes zieht die Sichtweise Hitlers konsequent und unbarmherzig durch, mal erschütternd mal sehr erheiternd, zum Beispiel wenn er auf heutige Neonazis tifft und ihnen erst einmal ordentlich den Kopf wäscht: „Ein anständiger Deutscher hat hier nichts verloren.“

Das Hörbuch spricht passenderweise Christoph Maria Herbst, der „Stromberg“, mit dem Hitler zunächst beim „Blitzreinigung’s-Service Yilmaz“ verwechselt wird. Und auch den Trailer zum Buch möchte ich Euch nicht vorenthalten. Viel Spaß!

5faesschen

Er ist wieder da – Timur Vermes
Eichborn
Hardcover, 396 Seiten
Preis: 19,33€
Ersterscheinung: 21.09.2012
ISBN: 978-3-8479-0517-2

© Tintenelfe

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12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Nelly
    Mai 08, 2015 @ 16:45:08

    Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe.

    Viele liebe Grüße und genieß die Sonne
    Nelly von Nellys Leseecke

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    Antwort

  2. caruschia
    Jan 31, 2014 @ 16:06:36

    Hallo!

    Tolle Rezension. Ich habe mir das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen und freue mich schon sehr drauf, es zu lesen.

    Alles Liebe, Jule

    Magst du mal bei mir vorbeischauen? Ich würde mich sehr freuen 🙂
    http://good-books-never-end.blogspot.de/

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    Antwort

  3. Monsignore
    Okt 29, 2012 @ 23:15:51

    Liebe Elfe,
    treffend beschrieben! Viele reden von Tabuverletzung und werfen die (akademische) Frage auf, ob man so humorvoll und satirisch mit dem größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte umgehen darf. Ich halte das für Unsinn. Es gibt nicht den geringsten Grund, um irgendeinen Respekt vor ihm zu haben. Bereits zu seinen Lebzeiten haben sich Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch abgrundtief über ihn lustig gemacht. Und der bislang unbekannte Autor Vermes beherrscht die Gradwanderung, kennt die Historie.
    Christoph Maria Herbst in der Hörbuchfassung halte ich allerdings für eine Fehlbesetzung. Er ist ein alberner Möchtegern-Schauspieler aus den Privatfernsehklamotten, noch nicht einmal die unverwechselbare Sprache Hitlers beherrscht er. Seine Betonungen liegen oft daneben, offensichtlich hat er den Text gar nicht begriffen. Kein Wunder bei einem unbegabten Schauspieler, der sich für die „Stromberg“-Rolle hergibt.
    Jedenfalls meint das der
    Monsignore

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    • Tintenelfe
      Okt 29, 2012 @ 23:31:39

      Ich muss zugeben, ich kenne Christoph Maria Herbst nur aus „Stromberg“ und ich glaube aus „(T) Raumschiff Surprise“ (wenn ich mich nicht irre). Ich fand ihn ganz witizg. Keine Ahnung, wie gut er den Hitler immitiert. Bei „Switch“ den habe ich auch mal gesehen, aber da weiß ich gar nicht, wie der heißt. (Vermes scheinbar auch nicht.) 🙂
      Ich gucke zu wenig fern. Der Trailer ist aber von Herbst gesprochen, oder? Aber Du hast schon Recht, so treffend kriegt er es nicht hin.

      Liebe Grüße
      die Tintenelfe

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      Antwort

  4. buzzaldrinsblog
    Okt 24, 2012 @ 15:51:33

    Tolle Besprechung, die bei mir große Lust auslöst, das Buch schnellstmöglich zu lesen! 🙂 Ich hatte es bisher noch gar nicht richtig auf dem Schirm, es klingt aber so toll, dass ich es nun doch sofort haben muss.

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    Antwort

  5. Jai
    Okt 23, 2012 @ 21:36:46

    Hallo,

    ich habe das Buch auch gelesen und mir hat es sehr gut gefallen. Ich finde mit deine Rezension sehr treffend und gelungen.

    Liebe Grüße,
    Jai

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  6. Büchernische
    Okt 23, 2012 @ 16:57:25

    Liebe Elfe,

    genial! Ich freu mich jetzt schon auf das Buch! Deine Rezension bestätigt nurmehr, dass ich es jetzt noch dieses Jahr lesen muss :-)))

    Liebe Lesegrüße
    Sandra

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