Rezension: Soap (Michael Meisheit)

Auf dieses Buch bin ich durch den Autor Michael Meisheit selbst gestoßen, der in einem Bloggerthread bei lovelybooks Werbung für seinen ersten Roman „Soap“ machte und darauf hinwies, dass man auf seiner Homepage aus Autorensicht verfolgen könne, wie ein Roman entsteht, veröffentlicht wird und sich im Folgenden das Marketing gestaltet.

Die Seite ist tatsächlich sehr interessant, ebenso wie der „Werdegang“ des Buches, das im Grunde von den Testleser/innen des Blogs mit lektoriert wurde und in welches auf diese Weise viele Tipps einflossen und sogar Namens- und Covervorschläge diskutiert wurden. Auch ist das Buch im Selbstverlag erschienen und die Art und Weise, wie Michael Meisheit dabei vorgeht, besonders interessant.

Die Leseprobe klang so vielversprechend, dass ich nach Möglichkeiten gesucht habe, meine eiserne Weigerung, amazon in irgendeiner Weise mein Geld zukommen zu lassen, zu umgehen. Leider kann man das Buch nämlich nur bei amazon bekommen, was ich persönlich als echten Nachteil empfinde, aber es sind wahrscheinlich die wenigsten solche Prinzipienreiter wie ich.

Lukas Witek bekommt die Chance, bei der wöchentlichen Soap „Schöneberg“ als Drehbuchautor einzusteigen. Doch nicht nur beruflich wird sein Leben fortan von Intrigen, verbotener Liebe, Drogen, Tod und Leidenschaft bestimmt, auch sein Privatleben gleicht immer mehr einer Soap. Denn er verliebt sich ausgerechnet in Maria, die hübsche Freundin des Chefautors…

Das Buch ist in 26 Kapitel gegliedert, was, wie der Leser im Buch erfährt, der Anzahl der Folgen einer Staffel entspricht. Jedes dieser Kapitel endet auch wie in einer Soap mit einem Cliffhanger, woraufhin das folgende mit einer allgemeinen Einleitung beginnt, bevor es wieder an die Handlung anknüpft. Besonders diese Einleitungen beleuchten die Hintergründe einer Soap und die Arbeit der Autoren. Hier schöpft Michael Meisheit aus seinem Erfahrungsschatz als langjähriger Autor der „Lindenstraße“.

„Soap“ ist sehr humorvoll und flüssig geschrieben und lässt sich gut mal zwischendurch lesen. Auch bei Unterbrechungen kommt man immer wieder gut in die Handlung hinein. Allerdings habe ich mich nicht so häufig unterbrechen lassen, denn das Buch hat durchaus eine gewisse Sogwirkung und besonders in der ersten Hälfte liest man Seite um Seite weiter, begierig, den Fortgang der Geschichte zu erfahren.

Da Michael Meisheit versucht, sämtliche große Themen einer Soap abzudecken (Liebe, verbotene Küsse, Sex, Verführung, Intrigen, Selbstmord, Drogenabhängigkeit, Krankheit und Tod), wurde es mir allerdings spätestens im letzten Drittel zu viel und ich war schon fast gelangweilt, weil es mir wie ein Abarbeiten der Themen vorkam, nur um die 26 „Folgen“ zu füllen. Ein wenig störte ich mich auch daran, wie schnell die Probleme immer wieder beiseite gewischt wurden. Der große, allwissende Produzent der Serie zieht dann schnell im Hintergrund an ein paar Fäden und schon ist alles wieder entwirrt und die Drogen schlagartig kein Problem mehr. Neues Kapitel, neues Thema.
Das Ende hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt, was sicher im wörtlichen Sinne so beabsichtigt war, mir aber dann nachträglich den Spaß am Buch gemindert hat. Keine Frage, das Thema gehört bestimmt in jede Soap irgendwie mit hinein, aber mir war das dann endgültig zu viel an Drama und ich war mir nicht mal mehr sicher, ob ich noch ein Happy End wollte und ob es das überhaupt geben konnte.

Großen Spaß beim Lesen hatte ich jedoch bei Szenen wie jener im Karibikurlaub – natürlich gesponsert vom großen Strippenzieher – als Lukas feststellt, wie vieldeutig doch die Kommunikation zwischen Leuten ablaufen kann, die miteinander Geheimnisse und Erlebnisse teilen bzw. davon nichts ahnen.

„Soap“ ist besonders für Fans von Seifenopern (zu denen ich allerdings nicht zähle) unbedingt lesenswert. Mir haben vor allem der Humor und die genauen Betrachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen gefallen. Ich habe während des Lesens oft laut gelacht, wirklich mitgelitten habe ich aber bei keinem der Protagonisten. Trotz aller Kritikpunkte, die genauer betrachtet eher dem dramaturgischen Aufbau des Buches als „Seifenoper“ geschuldet sind, habe ich mich mit „Soap“ bestens unterhalten gefühlt und würde gern mehr von Michael Meisheit lesen.
4 faesschen

Das Buch

Die große Liebe, Intrigen und Verrat, verbotener Sex, versuchter Selbstmord und den sicheren Tod vor Augen. Mit solchen Dramen muss sich der Filmstudent Lukas als neuer Autor der legendären Fernsehserie “Schöneberg“ beschäftigen. Bei der Arbeit? Nein! In seinem eigenen Leben. Denn das wird plötzlich zur Seifenoper. Ausgerechnet unter den neuen Kollegen findet er seine Traumfrau – die Freundin des Chefautors. Doch damit fangen Lukas’ Probleme erst an …

Soap – Michael Meisheit

Taschenbuch: 220 Seiten
Verlag: Michael Meisheit; Auflage: 1 (20. November 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3000402861
ISBN-13: 978-3000402869
Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 1,6 cm

Preis: 9,90€

auch als e-book

Den Autor

Michael Meisheit – Jahrgang 1972 – hat an der Filmakademie Baden-Württemberg Film studiert – mit dem Schwerpunkt „Drehbuch“. Sozusagen vom Studium weg wurde er 1997 als Drehbuchautor für die Fernsehserie „Lindenstraße“ engagiert. In den letzten 15 Jahren hat er knapp 300 Folgen für die Endlosserie geschrieben. Nebenher arbeitete Michael Meisheit als Autor bei der Telenovela „Rote Rosen“. Außerdem hat er diverse Serienkonzepte und Spielfilme entwickelt. Verfilmt wurde die Familienkomödie „Dann kam Lucy“, die im April 2012 in der ARD ausgestrahlt wurde. Seit 2012 schreibt er in seinem Blog michaelmeisheit.de über die Arbeit als Roman- und Drehbuchautor.

eingetragen in Challenge Deutschsprachige Autoren 2013

© Tintenelfe

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Evy
    Mai 09, 2015 @ 14:16:33

    Das klignt toll! Ich mag Bücher über Hintergründe!

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  2. Evanesca Feuerblut
    Jan 05, 2013 @ 19:43:16

    Für mich leider eher nichts, schade 😦
    Aber vielleicht das nächste Buch, wer weiß!

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  3. lilja1986
    Jan 04, 2013 @ 23:39:08

    So, jetzt klappt es glaube ich mit meinem Link 😉
    Und jetzt hatte ich auch Zeit, mich bei dir umzuschauen, sehr nett hast du es hier 😉 Ich freue mich immer, wenn ich die Lesestatistiken von anderen mitverfolgen kann, so komme ich auch immer selbst auf neue Bücher. Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, keine Bücher mehr zu kaufen, haha!
    Durch dich bin ich übrigens gerade auf „Bookcook“ gestoßen, liebe Zeit, das ist ja das richtige Spielzeug für einen Nerd wie mich!
    Bis demnächst,
    LG Jennifer

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  4. lilja1986
    Jan 04, 2013 @ 12:29:56

    Danke fürs folgen! Wenn ich Feierabend hab lese ich mir mal deinen Blog durch!
    LG Jennifer

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