Catherine Fisher: Incarceron – Fliehen heißt sterben [Rezension]

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Die „Jahre des Zorns“ sind vorüber. Daraus hervorgegangen ist ein neues Zeitalter, das sich rückbesinnt und technischen Fortschritt ablehnt, gelenkt von einer Königin und einem strengen Protokoll, dem sich nur die gelehrten Sapients teilweise entziehen können. Sie sind es auch, die einst „Incarceron“ geschaffen haben, das perfekte Gefängnis, eine unermesslich große eigene Welt, ein geschlossenes System und verborgen vom Rest der Welt. Verbrecher, Verräter und Diebesgesindel – sie alle haben hier ihr neues Zuhause gefunden, doch was als überwachtes Paradies gedacht war, hat sich über die letzten Jahrhunderte zu einer eigenständigen künstlichen Intelligenz entwickelt. Incarceron lebt, atmet, lacht und spielt mit seinen Insassen.

Der junge Finn, der davon überzeugt ist, von „Außerhalb“ zu stammen und einst die Sterne gesehen zu haben, wird zum Talisman eines Sapients, der besessen von den Legenden über Sapphique ist, dem Einzigen, der es jemals geschafft haben soll, Incarceron zu entfliehen. Mit Hilfe eines magischen Kristalls soll ihnen das Unmögliche gelingen, doch zunächst stellen sie damit nur den Kontakt zu Claudia her, der eigensinnigen Tochter des Hüters von Incarceron, die den Geheimnissen des Gefängnisses bereits auf der Spur ist.

Der Einstieg in das Buch fiel mir nicht ganz leicht, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass ich anfangs aus Zeitgründen kaum mal 5 Seiten am Stück lesen konnte. Der Leser befindet sich sofort mitten in der Handlung, die Welt mit ihren geschichtlichen Zusammenhängen erklärt sich erst im Laufe der Geschichte. Hilfreich sind dabei die kapiteleinleitenden Zitate aus Legenden, Schriftstücken und Liedern. Langatmige Erklärungen gibt es nicht und die Handlung versteht es, sofort zu fesseln.

Anfangs wechseln sich die beiden Erzählstränge um Finn bzw. Claudia noch kapitelweise ab, doch je mehr die beiden Hauptprotagonisten miteinander zu tun haben und sie sich in ihrem Bestreben nach „Außen“ bzw. nach „Innen“ zu gelangen einander annähern, desto schneller finden die Wechsel statt bis hin zur Überlappung. Catherine Fisher kommt mit wenigen handelnden Personen und Schauplätzen selbst innerhalb des riesigen Gefängnisses aus, es gelingt ihr dabei jedoch ein Gefühl für die beiden unterschiedlichen Welten zu entwickeln. Die wissenschaftlichen Errungenschaften und Technologien, wie „Hologramme“ und „Scanner“ erinnern manchmal an „Star Trek“, lassen dadurch aber wiederum ein lebendiges Bild entstehen.

Interessant sind die Auswirkungen von einerseits selbstauferlegten Zwängen eines Protokolls, das sich an der Gesellschaft unseres 18. Jahrhunderts orientiert, das jeden Fortschritt ablehnt und verhindert sowie andererseits der fremdbestimmten Kontrolle durch eine künstliche Intelligenz, die sich längst der Macht ihrer Erschaffer entzogen hat.
Nach den Jahren des Zorns wurden die Uhren auf „Null“ gestellt, sowohl für die Außenseiter und Abweichler des Gesellschaft sowie für alle anderen. Doch kann es sein, „dass dem Menschen selbst der Keim des Bösen innewohnt? Dass er durch seine Eifersüchteleien und Begehrlichkeiten sogar einParadies vergiftet, in das er verpflanzt und das nur für ihn errichtet wurde?“ (S. 335)
Catherine Fisher greift einige interessante Gedankenspiele auf, ohne sie jedoch weiter zu vertiefen. Es werden Denkanstöße gegeben und der Leser kann selbst entscheiden, wie viel Gewicht er ihnen beimessen möchte.

Die Protagonisten sind interessant und glaubwürdig in ihren Handlungen, lassen allerdings zum Teil Tiefe vermissen. Auch von „Incarceron“ als eigenständigem Wesen hätte ich gern mehr erfahren. Der packende, flüssige Schreibstil und die spannenden Handlung mit unerwarteten Wendungen und Überraschungen ziehen den Leser jedoch so sehr in ihren Bann, dass sich „Incarceron“ zu einem wirklichen Lesevergnügen entwickelt und damit eine klare Leseempfehlung von mir erhält.

„Incarceron“ erschien bereits 2007 bei Hodder Children’s Books und ist der erste Teil einer Dilogie, deren zweiter Teil „Sapphique“ im Jahre 2008 erschienen ist. Der Titel „Incarceron“ ließ mich sofort an „Karzer“ denken und tatsächlich stammt das Wort vom lateinischen incarcerare (einkerkern) ab.

Eine Verfilmung von „Incarceron“ ist seit Jahren im wieder im Gespräch, tatsächlich gab Catherine Fisher im März auf ihrer Homepage bekannt, dass nun AMBER Entertainments die Rechte erworben hat.

©Tintenelfe

4 faesschen

Catherine Fisher: Incarceron – Fliehen heißt sterben

Cover
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag (18. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764530804
ISBN-13: 978-3764530808
Originaltitel: Incarceron
Preis: 18,99€

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Maria
    Jun 07, 2014 @ 13:06:47

    Huh,
    schöne ausführliche Rezi!
    Ich habe das Buch auf meinem Kindle, aber noch nicht angefangen. Es kribbelt mir schon länger in den Finger, damit anzufangen und nach der Rezi! Oh Man! Beim nächsten e-Book Monat ist es garantiert dabei, wenn ich es nicht noch irgendwo dazwischen einschmuggeln kann 😉

    LG und schöne Feiertag!
    Maria

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    • Tintenelfe
      Jun 07, 2014 @ 13:25:56

      Hey, das freut mich! Besonders bei diesem Buch, weil es einfach anders ist. Die Idee, die dahinter steckt, ist mir so auch noch nicht vorgekommen, Ich hoffe, es gefällt Dir mindestens genauso gut wie mir.

      Dir auch schöne Feiertage!

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  2. Evanesca Feuerblut
    Mai 03, 2013 @ 15:43:18

    Hm, stimmt. Es ist einer. Meine Ausgabe hatte aber alle Bände in einem Buch (es sind aber auch nur zwei oder drei), darum ist mir der Mehrteilercharakter gar nicht aufgefallen.

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  3. Tintenelfe
    Mai 02, 2013 @ 17:41:28

    Ich habe gerade noch eine wirklich gute Rezension ergoogelt, lese sowas ja immer erst hinterher, um mir nicht den Spaß zu verderben. Aber so gut konnte ich es leider nicht ausdrücken, das muss ich zugeben.
    http://popkulturschock.wordpress.com/2013/04/07/buchkritik-catherine-fisher-incarceron-fliehen-heist-sterben/

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  4. Evanesca Feuerblut
    Mai 02, 2013 @ 16:48:22

    Ich habe bereits eine Rezi von „Incarceron“ gelesen, die ähnlich lautete wie deine. Das Buch steht derzeit auf meiner Wunschliste, mir ist Catherine Fisher insofern sehr sympathisch, dass sie bei den Problemlösungen auf blanke Gewalt seitens des Protas verzichtet und subtilere Töne anschlägt.

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