Rezension: Schatten des Baumes (Piers Anthony)

Ich mag gern Bücher über Häuser und wenn es sich dann auch noch um ein Spukhaus handelt, hat das Buch schon halb gewonnen. Das wunderschöne, stimmungsvolle Cover machte mir sofort Lust auf diesen Horrorroman.

 

Der verwitwete Computerfachmann Joshua erbt ein Haus in den Wäldern Floridas, das unter einem wunderschönen, riesigen Baum steht. Mit seinen beiden Kindern will er hier auf dem Anwesen seines verstorbenen Onkel Elijah einen Neustart nach dem tragischen Verlust seiner geliebten Frau wagen. Schon bei der Ankunft merkt die kleine Familie, dass etwas nicht stimmt. Die Tiere reagieren unruhig, die Kinder sehen Dinge und Menschen, die Joshua als Phantasie abtut, bis er selbst das Gefühl hat, dass es in dem Haus unter dem mächtigen Baum spukt.

Die Geschichte beginnt mit der Ankunft Joshs und der Kinder auf dem Anwesen mit dem riesigen Baum. Die drei sind ebenso naturverbunden wie der verstorbene Exzentriker Elijah, der versucht hat, im Einklang mit der Natur und insbesondere dem beeindruckenden Baum zu leben. Durch die Beschreibung der Flora und Fauna der Wälder Floridas bekommt man einen bildhaften Eindruck von der Umgebung und ein Gespür für die Gefahren in der Tier- und Pflanzenwelt. Ein Übriges tun die Legenden von Big Foot und dem Stinktieraffen (Skunk Ape). Ökologische Themen, eine natürliche Lebensweise und die umweltschonende Nutzung von Energie bilden einen Grundtenor des Buches.

Josh ist traumatisiert vom gewaltsamen Tod seiner Frau Wilhelmina und auch die Kinder haben den Tod der Mutter noch nicht verarbeitet. Dies und auch der Unfall mit einer Kettensäge, bei dem der Onkel ums Leben kam, ist immer wieder Thema und wird teilweise auch zur Erklärung der unheimlichen Vorkommnisse herangezogen.
Die Ereignisse im Schatten des Baumes bedienen sämtliche Horrorklischees: die sich verselbständigende Kettensäge, der Geisterzug, die sich wie wahnsinnig gebärdenden Tiere und natürlich Geistererscheinungen.

Die Geschichte wird vorrangig aus der Sicht Joshs erzählt, manchmal allerdings auch unvermittelt aus der Sicht eines Tieres oder einer anderen Person. Das ist zunächst verwirrend, gibt aber noch einmal andere Einblicke.

Erschreckend fand ich jedoch den Schreibstil des Autors und wahrscheinlich auch die Arbeit des Übersetzers. Anfangs war ich sehr genervt von Sätzen wie

„“Hoffentlich schmeckt dieser Pudding wenigstens gut!“ Er schmeckte gut. Sie aßen alle eine Portion.“ (S. 123)
„Die Hunde freuten sich von vorne, ihn zu sehen…“ (S. 154)
„“Jetzt weinen wir“, sagte er. Sie weinten.“ (S. 160)
,

irgendwann fand ich es dann schon lustig, wenn zum Beispiel die Fische um das Aquarium herum schwimmen (S. 167), allerdings beeinträchtigt das dann doch die Stimmung eines Horrorromans. Störend empfand ich auch die ständigen Oh-Rufe und die nachgeschobenen Halbsätze, die scheinbar auch den letzten begriffstutzigen Leser in die richtige Richtung lenken sollten.

Es gelingt dem Autor kaum, eine unheimliche Stimmung zu erzeugen, da immerzu erklärt wird, was man bei bestimmten Vorkommnissen denken soll. Allein das Benutzen der Kettensäge wird über sechs Seiten beschrieben, der Phantasie des Lesers wird dabei kaum Raum gelassen.
Der Höhepunkt war für mich jedoch das Auftauchen der 19jährigen Brenna, dem „Weibchen der Gattung im exakten Zustand ihrer höchsten Blüte“, die „Granate“, die „Sexbombe“, in ihrer arglosen Attraktivität“ und „furchtbar hübsch“ noch dazu, nachdem sie sich am Telefon schon so „verdammt süß“ angehört hatte. (s. 211ff) Da sind wohl mit dem Autor die Pferde durchgegangen. Passenderweise liebt das Mädchen Kochen, Wäsche waschen, putzen und Kinder, ist nicht allzu klug und ist auf der Suche nach dem richtigen Heim. Dieses Frauenbild mag ja dem Alter des Autors (*1934) und des Buches (original erschienen 1986) geschuldet sein, aber mich hat das über viele Seiten halb belustigt, halb fassungslos von der Geschichte abgelenkt.

Der interessanteste Charakter ist zweifellos der verstorbene Onkel Elijah, ein naturverbundener, verschrobener Mann, der ein Händchen für Geld hatte, leider erfährt man nur wenig von ihm. Josh geht in seiner Trauer auf und erweist sich als hilfloser Vater, der mit dem Haus, den Kindern und der Versorgung der Tiere völlig überfordert ist. Ein Hauptcharakter, der wenig Identifikationspotential bietet und in seiner Weinerlichkeit manchmal nervt. Die Kinder Chris und Sue haben ihrem Vater an innerer Stärke einiges voraus, bleiben ansonsten jedoch blass, auch wenn Josh anfangs versichert, wie „extrem niedlich“ seine Tochter ist, kommt dieser Eindruck bei mir nicht an. Die Nachbarn wie Old Foster und die selbstbewusste Pferdefrau Pippa sind ziemlich eigen und entsprechen der Vorstellung von Leuten, die einsam leben.

„Schatten des Baumes“ konnte mich aufgrund seines wirklich sehr gewöhnungsbedürftigen Schreibstils (Grammatik- und Rechtschreibfehler lasse ich mal außen vor) und der klischeebeladenen Story mit einem geringen Spannungsbogen nicht überzeugen. Das Ende des Buches reißt das Ruder noch einmal herum, da der Autor eine wirklich interessante und gut durchdachte Lösung bietet.

©Tintenelfe

2 Fässchen

Piers Anthony: Schatten des Baumes


Taschenbuch: 373 Seiten
Verlag: Edition Phantasia; Auflage: 1 (28. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937897488
ISBN-13: 978-3937897486
Originaltitel: Shade of the Tree (1986)
Preis: 19,90€

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Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde bei Logo Lovelybooks gelesen. Danke an Lovelybooks, den Verlag und die Diskutierenden.

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