Aravind Adiga: Der weiße Tiger [Rezension]

„Indien“ war das Thema unseres letzten Buchschätzer-Abends. Den Bericht dazu findet Ihr hier. Jede/r konnte sich ein Buch aussuchen, nur mit Indien sollte es zu tun haben. Ich habe einfach meine geliebte Bibliothek eine Auswahl treffen lassen und mich dann für „Der weiße Tiger“ von Aravind Adiga entschieden.

Cover Der weiße Tiger (c) dtv Verlag
Inhalt:
Balram – der »weiße Tiger« – kommt aus einem Dorf mitten in Indien. Seine düsteren Zukunftsaussichten hellen sich auf, als er, der klügste Junge im Dorf, als Fahrer für den reichsten Mann am Ort engagiert wird und mit ihm nach Delhi kommt. Vom Steuer eines Honda City aus entdeckt Balram eine neue Welt. Alkohol, Geld, Mädchen und Macht – das Indien der Kakerlaken und Callcenter, der Prostituierten und Gläubigen, der alten Traditionen und der Internetcafés, der Wasserbüffel und des mysteriösen »weißen Tigers«, der vom Diener zum Philosophen, Unternehmer und schließlich zum Mörder wird. (Klappentext)

Als sich der chinesische Premierminister ankündigt, um die Erfolgsgeschichten indischer Unternehmer zu hören, beschließt Balram ihm einen Brief zu schreiben und von seinem Aufstieg vom Sohn eines Rikschafahrers in einem kleinen Dorf zu einem erfolgreichen Transportunternehmer zu berichten. In sieben Nächten verfasst er einen Brief, in dem er unsentimental und ungeschönt seine Lebensgeschichte erzählt.

Beeindruckend schildert Aravind Adiga den krassen Gegensatz von Armut, Glaube und Tradition in den Dörfern und der modernen, verwestlichten Welt der   großen Städte. Dem demütigen, schicksalergebenen Leben der einfachen Bevölkerung und dem Konsumrausch und der Willkür der Reichen. Der allerorten vorhandenen Korruption und den in ihren Traditionen verhafteten einfachen Leuten. Balram findet seinen Weg, auch wenn er dabei über Leichen gehen muss. Seine Lehrherren sind dabei eben jene, deren Joch er entkommen will. Er setzt sich damit auseinander, warum die Dienenden Dienende bleiben und sich nicht zur Wehr setzen, um sich dann für einen eigenen, anderen Weg zu entscheiden.

Dabei gelingt es dem Autor, dass man Balrams Handlungsweisen immer nachvollziehen kann, man ihn wegen seiner Bauernschläue geradezu bewundert und trotz allem noch immer Sympathie für den kleinen Verbrecher empfinden kann.

Ein ehrliches Buch über das heutige Indien, verpackt in einen unterhaltsamen, humorvollen und intelligenten Roman.

© Tintenelfe

5 Faesschen

Aravind Adiga: Der weiße Tiger

Cover Der weiße Tiger (c) dtv VerlagTaschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2010)
ISBN-10: 3423139390
ISBN-13: 978-3423139397
Originaltitel: The White Tiger
Preis: 9,90€ [D]

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Jacquy
    Jun 04, 2017 @ 18:43:14

    Das Buch musste ich in der Schule lesen und es hat mir auch ganz gut gefallen. Stellenweise fand ich es etwas seltsam, aber auf jeden Fall interessant, gerade weil ich bisher auch kein anderes Buch über Indien gelesen habe und gar nicht so viel darüber weiß. Da war ich froh, dass wir das als Thema hatten, war mal was anderes 🙂

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  2. Silvia
    Sep 18, 2016 @ 07:26:28

    Mir gefiel der weiße Tiger auch ganz gut. Diesen Monat gibt es ein neues Buch des Autors, es geht um Cricket. Will ich eigentlich auch unbedingt haben…

    Gefällt 1 Person

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