Diana Menschig: So finster, so kalt [Rezension]

Cover So finster, so kalt (c) Droemer Knaur Verlag

 

 

Inhalt:
Als Merle Hänssler nach dem Tod ihrer Großmutter in deren einsam gelegenes Haus im Schwarzwald zurückkehrt, findet sie im Nachlass ein altes Dokument. Darin berichtet ein gewisser Johannes, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte, über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta. Merle tut diese Geschichte zunächst als Aberglaube ab. Doch dann passieren im Dorf immer mehr unerklärliche Dinge: Kinder verschwinden, und auch das alte Haus selbst scheint ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Langsam, aber sicher beginnt Merle sich zu fragen, ob an Johannes’ Erzählung mehr dran ist, als sie wahrhaben wollte. (Klappentext)

Als begeisterte Märchenleserin hat mich dieses Buch auf den ersten Blick angesprochen. Zwar mochte ich die Autorin Diana Menschig bereits durch den Fantasy-Roman „Hüter der Worte“ (Rezension), jedoch war es vor allem der Märchenbezug ihres neuen Romans „So finster, so kalt“, der mich das Buch gleich vom Fleck weg auf der Buchmesse kaufen ließ. Die Frauen aus meinem „Buchclub“ waren auch gleich angefixt, so dass der Roman als nächste gemeinsame Lektüre festgelegt wurde. Die autorenbegleitete Leserunde auf Leserunden.de kam mir nun gerade recht, um das Buch mit anderen zusammen zu genießen.

„So finster, so kalt “ konnte mich von der ersten Seite an fesseln. Merle ist eine bodenständige junge Frau, die mitten im Berufsleben steht. Der Tod der geliebten Großmutter wirft sie aus der Bahn. Zunehmend wird sie von Alpträumen gequält, in denen immer wieder ein Wolf auftaucht. Ein altes Dokument, das sie im Nachlass der Großmutter findet, beschreibt eine merkwürdige Geschichte, die sich im 16. Jahrhundert im Schwarzwald abgespielt haben soll. Merles Großmutter Mago glaubte offensichtlich, dass diese Geschichte mit ihrer Familie in Zusammenhang steht und recherchierte mit Hilfe renommierter Wissenschaftler. Merle, die in dem kleinen „Hexenhäuschen“ der Großmutter aufwuchs, nimmt sich der Papiere an und beginnt mehr aus Neugier selbst zu recherchieren. Der Märchenexperte Jakob Wolff unterstützt sie dabei und die beiden kommen einander schnell nahe. Doch immer wieder kommen Zweifel auf, ob Jakob nicht vielleicht doch etwas im Schilde führt. Das Häuschen scheint ein merkwürdiges Eigenleben zu entwickeln und als dann noch Kinder verschwinden, ist es für Merle an der Zeit zu handeln.

Fesselnd und mit erzählerischem Geschick gelingt es Diana Menschig, den Leser aus Merles bodenständigem Leben in vergangene Zeiten zu entführen und das Märchen von „Hänsel und Gretel“ neu und vor allem völlig anders zu erleben. Immer wieder finden sich auch Elemente aus anderen Grimmchen Märchen wieder, so dass der Leser zu einer kleinen Märchenschnitzeljagd eingeladen wird. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gelingt leicht und wird optisch durch die passende grafische Gestaltung der Rückblenden unterstützt. Für die Lebkuchenmännlein, die einen festen Platz in der Geschichte haben, gibt es auch gleich das Rezept dazu.
Die Charaktere werden lebendig und einprägsam beschrieben und scheinen mitten aus dem Leben gegriffen. Allein mit Jakob Wolff hatte ich bis zum Schluss so meine Probleme, hier war mir die Entwicklung nicht konsequent genug, vielleicht hat er mich auch zu sehr verwirrt.

„So finster, so kalt“ war seit langem mal wieder ein Buch, das mich zu fesseln vermochte und mich sogar nachts lesen ließ. Ein packendes Lesevergnügen mit unbedingter Leseempfehlung. Genremäßig lässt sich der Roman nicht so leicht einordnen. Elemente aus Märchen, Gruselroman, Krimi, Fantasy und Thriller lassen sich durchweg finden und bilden eine köstlich-unterhaltsame Mischung für kuschelige Lesestunden.

Wer mehr über die Entstehung des Romans wissen möchte, sollte sich auf Diana Menschigs Blog „Seitenrauschen“ umschauen.

© Tintenelfe

Diana Menschig: So finster, so kalt5 Tintenfaesschen

Cover So finster, so kalt (c) Droemer Knaur VerlagTaschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426514931
ISBN-13: 978-3426514931
Preis: € 8,99 [D]

Die Autorin

Bild Diana Menschig
© Diana Menschig

Diana Menschig, geboren 1973, absolvierte nach einem Studium der Psychologie mehrere Stationen in Marktforschung und Personalmanagement, bevor sie einen Spieleladen eröffnete. Heute arbeitet sie als selbständige Dozentin und Autorin. Wenn sie nicht gerade in fantastischen Parallelwelten unterwegs ist, teilt sie sich mit ihrem Mann, zwei Hunden, einer Katze und vielen Rennrädern ein Haus am Niederrhein.

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6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Diana Menschig/ Alexa Waschkau: Dunkle Wurzeln [Rezension] | Tintenhain
  2. Jenny
    Mrz 24, 2015 @ 21:43:22

    Was hat es am Schluss mit dem lebkuchenfräulein auf sich das für ronja nach Metall schmeckt? Greta ist tot. Aber ronja hat ein komisches Gefühl ….

    Gefällt mir

    Antwort

    • Diana Menschig
      Mrz 26, 2015 @ 13:37:54

      Huhu! Die Tintenelfe hat mich angeschrieben, wie das mit dem Schluss zu verstehen ist. Ich dachte, ich antworte mal gleich hier 🙂

      Aaaalso: Ja, das Lebkuchenfräulein schmeckt nach Blut. Ich lasse es die beiden Mädchen nicht aussprechen, weil ich erst einmal denke, dass sie den Geschmack nicht zuordnen könnten (erwartet man in einem Lebkuchen schließlich nicht) und um den Leser im Unklaren zu lassen. Das Ende ist bewusst offen gehalten.

      Es gibt für das gesamte Setting in meinen Augen zwei Möglichkeiten:
      1.
      Greta ist besiegt, und mit ihrem Tod enden auch Hans‘ Geisterexistenz und das „Leben“ der „Hexe“ (oder Druidin – die alte Frau, der Hans begegnet ist, und die versucht hat, ihn zu beschützen), die das Haus beseelt hat.

      Wenn das Haus aber nicht mehr beseelt ist, wird es in meiner Vorstellung in dem Moment zu einer alten schäbigen Bruchbude, hunderte Jahre alt, nie von Menschenhand (!) gepflegt, verfallen und ohne Anbindung an die Zivilisation.
      Das ist meinem Empfinden nach das „realistischere“ Setting. Der Gedanke war mir für das Haus aber zu traurig und ich wollte den Leser nicht mit so einem negativen Gefühl aus dem Buch entlassen.

      2.
      Irgendwie „überlebt“ da irgendwas und geht während des Showdowns in die Lebkuchen über. Das heißt, das Haus ist immer noch magisch, vielleicht sogar beseelt. Denn so lange es das „Böse“ in der Welt gibt, muss es auch das „Gute“ geben. Damit müssten sich Ronja, Jakob und Merle vielleicht noch einmal mit jemandem herumschlagen, aber das Haus bleibt so, wie es vorher war.
      Auch wenn einige das Haus unheimlich finden, hat es beseelt (wortwörtlich) Persönlichkeit. Und so sollte es zum Ende des Buches auch bleiben. Erst einmal 😉

      Das ist KEIN Hinweis auf eine Fortsetzung. „Finster“ ist ein Stand-Alone und wird es auch bleiben.
      ABER vielleicht findet ihr in den nächsten Tagen oder Wochen noch ein paar Hinweise darauf, wie sich die Geschichte nach der letzten Seite weiterentwickelt hat….

      Liebe Grüße
      Diana

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      Antwort

  3. funne
    Jun 19, 2014 @ 16:57:42

    Ich fand das Buch auch super, habe es eben vor fünf Minuten fertiggelesen 🙂

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    Antwort

  4. nettebuecherkiste
    Mai 08, 2014 @ 20:01:39

    Eine Freundin von mir war auch begeistert von dem Buch. Kommt auf meine Wunschliste!

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    Antwort

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