Andrea Hackenberg: Schnucken gucken [Rezension]

(c) Droemer Knaur Verlag

Inhalt:
Sie stand immer auf der Seite der Schwachen und Entrechteten. Jetzt steht sie knietief im Dispo: Billi Sander, Umweltaktivistin und frisch gefeuerte Enthüllungsreporterin, landet da, wo sie nie wieder hinwollte: zu Hause in der Heide. Um wieder zu Geld zu kommen, heuert Billi im Feuilleton der Lokalzeitung an. Unter Laienschauspielern, Freizeit-van Goghs und korrupten Landespolitikern stellt sie schließlich fest: Die Heide ist tatsächlich eine Kulturlandschaft. Und ihr Exfreund sieht besser aus, als sie ihn in Erinnerung hatte … (Klappentext © Droemer Knaur)

Ich muss gestehen, ich habe das Purzelchen vernachlässigt. Anders kann ich gar nicht erklären, wie es dazu kommt, dass ich „Schnucken gucken“ an einem Tag gelesen habe. Gut, ich musste nicht arbeiten, die Gelegenheit war günstig und das Purzelchen war voller Tatendrang und hat die Gelegenheit genutzt, das Wohnzimmer ganz ausgiebig zu erkunden. Normalerweise tut es das nämlich lieber von meinem Schoß aus.

Zwar liegt Braunschweig am südlichsten Zipfel der Heide, dennoch fühlte ich mich in dem Roman, der vorrangig in der Lünbeburger Heide, irgendwo zwischen Lüneburg, Gifhorn und Celle spielt, ganz wie zu Hause. Anders als Protagonistin Billi, die es im Kleinstadtmief nicht mehr ausgehalten hat. Die letzten Jahre verbrachte sie als Journalistin bei einer angesagten Zeitung, allerdings als Dauervolontärin. Mit ihrer eher unkoventionellen Art, brisante Themen zu recherchieren, macht sie sich nicht sonderlich beliebt und verliert auch Knall auf Fall ihren Job. Am Ende bleibt ihr nichts weiter übrig als bei ihrer Familie in der Heide unterzukriechen. Allerdings lässt Mutter Antonia ihr gar nicht erst lange Zeit, sich die Wunden zu lecken. Die angesagte Friseurin mit zweifelhaftem Ruf erweitert nämlich gerade ihren Salon um ein Bachblüten-Spa und kann jede Hilfe gebrauchen. Schneller als Billi es ahnt, ist sie in das gesellschaftliche und politische Geschehen der Kleinstadt verwickelt. Lokalpolitiker, der Landfrauenverein, die örtliche Zeitung – alle mischen mit und mancher hat mehr Dreck am Stecken als man auf den ersten Blick glauben mag. Und dann ist da noch Billis Jugendliebe, Manolo, der sich gerade anschickt, die überspannte Steffi zu heiraten.

Es sind die Charaktere, die zwar oft schräg, aber glaubwürdig und authentisch gezeichnet, den Leser an die Hand nehmen. Mir hat es richtig Spaß gemacht, Billi und ihre Familie kennenzulernen und mit ihnen dem Kleinstadtleben hinter die Kulissen zu schauen. Hier wird betrogen und gelogen, getratscht und manipuliert. Es sind viele kleine Geschichten, die sich zu einem perfekten Ganzen entwickeln und natürlich kommen auch Liebe und Romantik nicht zu kurz. Der Roman bietet leichte und vor allem humorvolle Unterhaltung, scheut sich aber auch nicht, ernstere Themen wie Korruption, Massentierhaltung und psychische Erkrankung anzusprechen. Die lebendigen Figuren und der süffige Erzählstil entfalten schnell eine Sogwirkung, der ich mich schwer entziehen konnte.

„Schnucken gucken“ ist ein warmherziger, humorvoller Roman mit einem Schuss Romantik – die richtige Mischung für gute Unterhaltung zwischendurch. Ganz klare Leseempfehlung!

Wie ich feststellen konnte, gibt es erfreulicherweise zu dem Roman noch eine Art Vorgänger, denn auch „Abgeferkelt“ spielt in dem kleinen Ort Grümmberg, die Romane können aber unabhängig voneinander gelesen werden. Andrea Hackenberg hat unter dem Psaeudonym Lena Hooge auch den wunderbar leichten und köstlichen Roman „Bauchgefühle“ (Rezension) geschrieben.

© Tintenelfe5 Tintenfaesschen

Andrea Hackenberg: Schnucken gucken(c) Droemer Knaur Verlag

Taschenbuch: 336 Seiten

Verlag: Knaur TB (2. Februar 2015)
ISBN-10: 3426514265
ISBN-13: 978-3426514269
Preis: € 8,99 [D]

 Autorenseite

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Ela´s Büchertruhe
    Mrz 04, 2015 @ 14:39:09

    Eine tolle Rezension, die Lust auf dieses Buch macht 🙂
    Ich find ja Cover und Titel einfach schnuckelig 🙂
    Würde aber eher die Hörbuchversion vorziehen 🙂
    LG Ela

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  2. irveliest
    Mrz 03, 2015 @ 09:54:10

    Das klingt nach einer perfekten „Die Seele baumeln lassen“-Lektüre 🙂

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    Antwort

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