Sue Monk Kidd: Die Bienenhüterin [Rezension]

Cover (c) btb Verlag

Inhalt:
Die vierzehnjährige Lily Owens lebt mit ihrem verbitterten, mitleidlosen, zuweilen gewalttätigen Vater in einem kleinen Ort in South Carolina. Es ist das Jahr 1964, die Zeiten sind im Umbruch, der Civil Rights Act tritt in Kraft. Lily leidet sehr unter dem Verlust ihrer Mutter, die vor zehn Jahren bei einem Unfall ums Leben kam. Ein Unfall, an dem sich das junge Mädchen in der Schuld sieht. Geblieben ist ihr nur ein Foto und ein rätselhaftes Marienbild. Der einzige Mensch, der ihr ansatzweise Liebe entgegenbringt, ist das farbige Hausmädchen Rosaleen. Als diese beschließt, von ihrem neuen Recht, sich ins Wählerverzeichnis einzutragen, Gebrauch zu machen, kommt es zu einem Zwischenfall. Rosaleen landet im Gefängnis. Mit dem Mut der Verzweiflung bricht Lily mit ihrem bisherigen Leben. Sie befreit Rosaleen und gemeinsam machen sie sich auf die Spuren von Lilys Mutter. Sie gelangen zur Bienenfarm dreier Schwestern, die sie herzlich aufnehmen, obwohl jede ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Für Lily beginnt eine traumhafte Zeit, in der nicht nur sie sich selbst finden wird.

Was für ein wundervolles Buch! Von der ersten Seite an faszinierend und fesselnd, dabei wunderbar anrührend geschrieben.
Aus der Sicht der vierzehnjährigen Lily, die sich so sehr nach Liebe sehnt und verzehrt, erfährt man einiges über das Leben in den Südstaaten der 1960er. Einiges erinnerte mich dabei an Harper Lee, deren zuletzt veröffentlichter Roman „Gehe hin, stelle einen Wächter“ (Rezension) ebenfalls zu dieser Zeit spielt. Sue Monk Kidd gelingt es, die brodelnde Stimmung in der Bevölkerung aufzugreifen, ohne jedoch ihren Schwerpunkt darauf zu verlegen. Im Mittelpunkt stehen die drei „Honigschwestern“ Augusta, May und June und natürlich Lily und Rosaleen. Das Leben mit den Bienen hat vor allem Augusta Weisheit gelehrt. Mit ihrer besonnenen, geduldigen Art steht sie dem verstörten jungen Mädchen zur Seite. In der lebensbejahenden Gemeinschaft von farbigen Menschen lernt Lily, worauf es im Leben ankommt und vor allem, was es bedeutet zu lieben und geliebt zu werden.

Sue Monk Kidd schreibt einfühlsam und kann wunderbar erzählen. Man spürt die Hitze dieses Sommers, das Summen der Bienen und den Duft von Honig. Ein wenig wünscht man sich, selbst eine Auszeit im Schutze der drei Schwestern verbringen zu können. Ihre Protagonistin Lily ist immer ehrlich und schonungslos mit sich selbst und anrührend in ihrer Verletzlichkeit. Man fühlt mit ihr, möchte sie trösten und beschützen. „Die Bienenhüterin“ spielt auch gern mit Symbolik und Mythen. Die selbst erfundene Religion „Unserer lieben Frau in Ketten“, die sich sowohl Anleihen aus dem Katholizismus als auch bei Naturreligionen bedient und vereint, wirkt manchmal grotesk, andererseits jedoch so erfrischend anders und heilsam. Sie ist nur eine Art, die hier aufgezeigt wird, wie man mit den Grausamkeiten im Leben zurecht kommen kann.

Auf recht unterschiedliche Weise wird auch das Thema der Rassentrennung aufgegriffen. Einerseits erschütternd die Bilder, wie Weiße aus purer Launenhaftigkeit mit den Schwarzen umgehen und andererseits die Sanftheit, in der sich Lily als weißes Mädchen in die Gemeinschaft der Farbigen einfügt. Wie Grenzen verschwimmen und schließlich nicht mehr da sind. Wie einfühlsam und leise aufgezeigt wird, dass die Hautfarbe den geringsten Unterschied zwischen Menschen ausmacht. Gerade zu Anfang erinnert die Handlung an eine weibliche Version von Huckleberry Finn, doch verblasst der Gedanke an Mark Twain im Laufe der weiteren Geschichte.

Dieses Buch hat mich überrascht, fasziniert und sehr berührt. Zeitweise hat es mich schon gedrängt, den Fortgang der Handlung zu beschleunigen, da immer klar ist, dass etwas passieren muss, das die Idylle auflöst. Jedoch unterstreicht der langsame Erzählstil die Trägheit in der Hitze des Sommers und dass manche Dinge ihre Zeit brauchen.

© Tintenelfe

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Sue Monk Kidd: Die BienenhüterinCover (c) btb Verlag

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: btb Verlag (1. April 2005)
Originaltitel: The Secret Life of Bees
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Astrid Mania
ISBN-10: 3442732816
ISBN-13: 978-3442732814
Preis: € 9,99 [D]
Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff
Geschenk beim Bücherwichteln 2013

 

9 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. tinaherrlich
    Sep 25, 2015 @ 17:39:19

    Hallo Mona,

    ich mag Sue Monk Kidd als „Erzählerin“ auch sehr! Bis jetzt habe ich zwar nur „Die Erfindung der Flügel“ von ihr gelesen, aber das Buch gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Ich kann es dir absolut ans Herz legen!🙂 Und „Die Bienenhüterin“ werde ich hoffentlich demnächst auch noch lesen.

    Ich wünsche dir viel Spaß in deinem Lesekreis!🙂

    Lieben Gruß
    von Tina

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  2. Lilienlicht
    Sep 10, 2015 @ 07:53:14

    Liebe Mona,

    eine schöne Rezension, die Lust auf mehr macht. Mich hätte der Klappentext jetzt auch nicht unbedingt so angesprochen, aber nach deinen Worten ist man schon neugierig. Das Buch kann ich auf jeden Fall einer Freundin empfehlen, deren Schwester Imkerin ist😀

    Liebste Grüße,
    Diana

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  3. Laura M
    Sep 09, 2015 @ 19:11:32

    Hi Mona,
    ich habe dieses Buch vor langer Zeit gelesen und geliebt🙂 Ich war so begeistert dass ich mir von der Autorin auch gleich noch „die Meerfrau“ geholt habe (war ok, aber kam nicht an „die Bienenhüterin“ heran).
    Es wurde übrigens auch verfilmt, mit Dakota Fanning, Alicia Keys, Queen Latifa und Jennifer Hudson.

    Viele Grüße
    Laura

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  4. irveliest
    Sep 09, 2015 @ 18:54:36

    Liebe Mona,
    der Rückentext hat nicht so mein Interesse geweckt, aber deine Worte haben mich sehr angesprochen🙂
    LG Heike

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  5. aleshanee75
    Sep 09, 2015 @ 18:13:32

    Hallo Mona!

    Das hast du sehr schön beschrieben und damit wieder meine Erinnerungen wach gerufen😉 Das Buch ist bei mir schon eine Weile her, aber ich weiß, dass es mir sehr gut gefallen hatte!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    • Tintenelfe
      Sep 11, 2015 @ 10:58:20

      Ich finde schon, dass es ein besonderes Buch ist. Im Lesekreis waren nicht alle so begeistert. Auf deinem Blog hast du das Buch aber nicht rezensiert, oder? Ich habe kaum Blogrezis gefunden.

      Liebe Grüße
      Mona

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