Andy Weir: Der Marsianer [Rezension]

Cover (c) Heyne Verlag

„Ich bin so was von im Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
Im Arsch.
Sechs Tage nach Beginn der vermeintlich großartigsten Monate meines Lebens setzte der Albtraum ein.
Ich weiß nicht, wer dies hier überhaupt lesen wird. Vermutlich wird es irgendwann jemand finden. Vielleicht in hundert Jahren.
Für die Akten. Ich bin nicht an Sol 6 gestorben. Die anderen Crewmitglieder dachten dies sicherlich, und das kann ich ihnen nicht zum Vorwurf machen. Vielleicht gibt es einen internationalen Trauertag für mich, und auf meiner Wikipediaseite kann man es nachlesen: „Mark Watney ist der einzige Mensch, der je auf dem Mars gestorben ist.“
Wahrscheinlich wird das sogar zutreffen, denn ich sterbe ganz bestimmt hier – aber mein Todestag ist nicht Sol 6, wie alle anderen annehmen.“ (Zitat, Seite 9)

Mark Watney, Astronaut der Marsmission Ares 3, gerät mit seinen Kameraden in einen Sturm. Durch einen Zusammenprall mit einer herumfliegenden Antenne wird er bewusstlos. Seine Crew kann nur noch seinen Tod annehmen und lässt ihn zurück. Doch Mark Watney hat überlebt und beginnt einen Überlebenskampf auf dem toten Planeten, auf sich allein gestellt und von einem unbändigen Lebenswillen getrieben.

Der größte Teil des Buches besteht aus dem Logbuch. Mark Watney beschreibt hier nicht nur, wie sein Tag abläuft, sondern auch sehr detailliert die Berechnungen, wie ein Überleben möglich sein kann. Es wird oft sehr technisch, bleibt dabei aber überraschend verständlich. Selbst ich habe die chemischen Beschreibungen zur Gewinnung von Wasser aus Treibstoff verstanden, obwohl ich in Chemie nie etwas kapiert habe. Trotz der vielen Berechnungen und technischen Details wird es nie langweilig. Mit einfacher, zuweilen ein wenig derber Sprache gelingt es Andy Weir, den Leser durchgehend bei der Stange zu halten.

Es ist beeindruckend, mit welchem Erfindungsreichtum und kühlem Kopf Mark Watney auf dem Mars ums Überleben kämpft. Er verliert dabei nie den Humor, was dem Buch zusätzlich eine besondere Note verleiht. Mir hat es einfach Spaß gemacht, wie er für selbst die verzweifeltsten Situationen noch einen trockenen Spruch auf Lager hat, auch wenn es sich meistens um Galgenhumor handelt. Es tut gut, dass trotz der aussichtslosen Lage, in der sich Watney befindet, immer ein Hoffnungsstreifen am Horizont auftaucht, auch wenn natürlich Widrigkeiten immer wieder für Rückschläge sorgen. Denn so sehr der Mars lebensfeindlich ist, so sehr ist Watney ist ein unermüdliches Stehaufmännchen. Was meiner Meinung nach zu wenig gewichtet wird, ist wie sich die totale Einsamkeit auf die Psyche auswirkt. Wenn man den langen Zeitraum betrachtet, ist es unwahrscheinlich, dass Watney sich in diesem Punkt nicht verändert.

Mich hatte das Buch mit seiner ausgereiften technischen, jedoch durchgehend verständlichen Seite und der zugleich lockeren Sprache sofort in seinen Bann geschlagen. Eigentlich wollte ich nur mal kurz reinlesen. Die nächsten Tage las ich nichts anderes mehr. Zwischendurch diskutierte ich immer wieder mit meinem Mann, der den Film gesehen hatte. Es war ein richtiges Leseerlebnis, das mich mal wieder auf den Geschmack von Science Fiction gebracht hat. Wobei ich vermute, dass es nicht viel realitätsnahe Science Fiction wie „Der Marsianer“ gibt.
Das Buch ist auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung, nicht nur für Science-Fiction-Fans!

Das große technische Wissen und die Kenntnisse um die Raumfahrt haben mich dann auch nach dem Autor recherchieren lassen. Andy Weir ist zwar nicht, wie von mir recht bald vermutet, selbst in der Raumforschung tätig, sondern Informatiker und Softwareentwickler. Seinem großen Interesse für die bemannte Raumfahrt, Technik und Physik geht er in der Freizeit nach. Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte des „Marsianers“. Zunächst veröffentlichte Weir das Buch mangels Interesse auf seiten der Verleger, kapitelweise auf seiner Website. Dadurch entstand Kontakt zu seinen Lesern, die ihrerseits Kritik übten und mit Ideen und Fachwissen wissenschaftliche Inhalt und Hintergründe verbesserten. Als das Buch in seiner Endfassung stand, baten die Leser darum, es nicht nur als kostenlosen Download von der Website, sondern auch bei Amazon beziehen zu können. Der Verkauf über Amazon lief bald besser als der Download auf der Website. So weckte Weir mit seinem Buch dann doch noch das Interesse der Verlage. Das Buch wurde mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt.

„Der Marsianer“ wurde 2015 von der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ als „Wissensbuch des Jahres“ in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnet.

© Tintenelfe

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Andy Weir: Der Marsianer

Cover (c) Heyne Verlag

Broschiert: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (13. Oktober 2014)
Originaltitel: The Martian
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Jürgen Langowski
ISBN-10: 3453315839
ISBN-13: 978-3453315839
Preis: € 14,99 [D]

Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff
Bücherei

 

 

12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Tinka Beere
    Dez 26, 2015 @ 14:34:30

    Danke für deine Worte zum Buch. Ich habe es geliebt und verschlungen und konnte nicht an mich halten, es weiterzuempfehlen😀
    Wirklich ein Highlight dieses Jahr ^^

    Liebe Grüße, Tinka🙂

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  2. irveliest
    Dez 18, 2015 @ 15:05:28

    Liebe Tintenelfe,
    ich freue mich, dass dir das Buch ebenso gut gefallen hat wie mir! Und der Film ist überzeugend nah am Buch und ich kann ihn dir nur empfehlen!
    Liebe Adventsgrüße, Heike

    Gefällt 1 Person

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  3. Trackback: The Martian - Andy Weir | Lesen ist ...
  4. Die Alex
    Dez 17, 2015 @ 20:16:50

    Und zack, ab damit auf den Wunschzettel! Zugegeben, da stand es eh schon drauf, aber jetzt ist es an die Spitze gerutscht.😉
    Vielen Dank für die Rezension, ich kann es kaum abwarten, endlich loszulesen – und der Film wird brav danach geguckt.

    Liebe Grüße & einen schönen Endspurt bis Weihnachten!
    Die Alex

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  5. Katja
    Dez 17, 2015 @ 19:42:00

    Hallo Mona,
    der Trailer hatte mich ja schon total neugierig gemacht, aber ich schaffe es nur selten ins Kino.
    Es macht mir Mut, dass die technischen Details verständlich bleiben (hoffentlich auch für mich😉 ). Vielleicht schaffe ich es ja das Buch zu lesen, bevor der Film auf DVD raus kommt.
    Ich wünsche Euch einen schönen 4. Advent.

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    • Tintenelfe
      Dez 17, 2015 @ 19:48:25

      Ins Kino habe ich es auch nicht geschafft, aber auf DVD würde ich den Film gern noch sehen. Es ist wirklich alles gut erklärt und man muss nicht mal mitrechnen, wenn er ausrechnet, wie lange das Wasser, Essen, der Sauerstoff etc. noch reicht. Einfach vorrechnen lassen und glauben.😀 Es macht das Ganze unheimlich realistisch, weil es so nachvollziehbar bleibt.
      Ich wünsche Euch auch einen schönen 4. Advent!

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  6. Janice
    Dez 17, 2015 @ 16:38:39

    Hallo Mona!

    Hach, wie schön, dass du auch so begeistert bist vom Marsianer🙂
    Für mich war es auch ein echtes Highlight! Jetzt muss ich noch dem Film sehen.

    Bin gespannt auf deiner Meinung zu Wer die Lilie Träumt, muss ich auch noch unbedingt lesen, aber die Zeit …. Kennst auch das Problem😀

    Liebe Grüße
    Janice

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    • Tintenelfe
      Dez 18, 2015 @ 15:16:46

      „Wer die Lilie träumt“ habe ich jetzt schon für mehrere Bücher unterbrochen. So richtig hat es mich noch nicht packen können. Ich kann mich aber auch schon an viele Details kaum erinnern.😦 Vielleicht schaffe ich es über Weihnachten.

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