Alexey Pehov: Wind – Die Chroniken von Hara 1 [Rezension]

wind

Seit der Bogenschütze Ness und seine Frau Lahen eine der magiebegabten Schreitenden ermordet haben, verstecken sie sich unerkannt in einem kleinen Dorf und haben ein neues Leben begonnen. Doch der aufziehende Krieg der Nabatorer und der Nekraomanten von Sdiss wirft seine Schatten voraus und bald schon kommen Soldaten in den beschaulichen Ort. In ihrem Gefolge befindet sich eine der Verdammten, eine der großen Magierinnen aus alter Zeit. Sie hat es auf Lahen abgesehen, die einen magischen Funken in sich trägt und dessen Kräfte noch unbekannt sind. Doch auch Kopfgeldjäger haben sich auf die Spur der beiden ehemaligen Meuchelmörder gesetzt und Ness und Lahen bliebt nichts weiter übrig als sich dem Kampf gegen ihre Verfolger und der drohenden Gefahr für das Imperium zu stellen. Doch glücklicherweise sind sie bei ihrer Mission nicht allein.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal Alexey Pehovs ersten Roman „Schattenwanderer“ (2012) gelesen. Beim Warten auf den nächsten Band dann aber schnell aus den Augen verloren, vor allem, weil ich mal wieder keine Lust auf Trilogien hatte. Als die Buchschätzer sich im Dezember auf das Lesekreisthema „Russische Autoren“ einigten, hatte ich sofort russische Fantasy im Blick und erinnerte mich wieder an Pehov. Sergej Lukianenko kam mir auch kurz in den Sinn, aber von ihm hatte ich schon Etliches gelesen und so ein Lesekreisthema soll ja auch an Neues heranführen.

„Ich nenne Menschen wie euch insgeheim Windsucher. Ihr jagt blindlings dem Wind hinterher. Aber was macht ihr eigentlich, wenn ihr ihn erwischt? … Möglicherweise findest du nämlich etwas ganz anderes als das, was du gesucht hast. Und statt den Wind zu fangen, gerätst du in einen Sturm.“ (S. 444)

Der Einstieg fiel mir zunächst nicht ganz leicht. Mehrere verschiedene Handlungsstränge machen den Leser mit einer Vielzahl von Protagonisten bekannt und führen in die Welt ein. Da ist einmal der Soldat Luk, der den Überfall der Nabatorer und Sdisser Nekromanten auf die Burg der Sechs Türme überlebt und nun den magiebegabten Schreitenden in der Stadt Alsgara davon berichten soll. Der tumbe Pork, ein Bauerntölpel wie er im Buche steht, führt ein paar zwielichtige Gesellen zum Zimmermann des Dorfes, bei dem es sich jedoch um den  gesuchten Meuchelmörder Ness handelt, der sich mit seiner Frau Lahen in dem kleinen Dorf versteckt. Ein Kundschafter aus dem Klan der Irbiskinder sieht sein Leben angesichts plötzlich auftauchender Untoter und der Belagerung einer Ascheseele in Gefahr und eine der Verdammten macht sich auf den Weg, einen bisher unentdeckten magischen Funken zu fangen. Sie alle führt der Weg ins das kleine Dorf Hundsgras am Rande der Zivilisation, wo sich ihre Schicksale unaufhaltsam miteinander verweben.

Sobald klar ist, was die vielen Personen, die nach Hundsgras kommen, miteinander verbindet, wird die Geschichte dicht und richtig spannend. Ganz nebenbei erschließt sich der Weltenentwurf mit seinem magischen System und seiner Historie. Die nichtmenschlichen Wesen wie Blasgen, Ye-arre oder Ascheseelen werden gezielt eingesetzt und bildhaft beschrieben. Auch Pehovs Figuren sind wunderbar lebendig gezeichnet und man entwickelt sofort Sympathien und Antipathien. Aufgrund der Vielzahl der Protagonisten und Erzählstränge war anfangs nicht klar, wer eigentlich die Hauptcharaktere sind. Allein durch den unvermittelten Wechsel in die Ich-Perspektive bei Ness wird seine stärkere Gewichtung deutlich. Allerdings hat mich der Wechsel anfangs gestört, weil es verwirrend und vor allem unnötig schien. Andererseits hab ich mich dann auch daran gewöhnt.

Alexey Pehov hat mich mit jeder Seite mehr in die Welt Haras gezogen und am Ende habe ich mit meinen Helden mitgefiebert. Was anfangs eindimensional und einfach gestrickt wirkt, wird zunehmend ausgebaut. Es kommen immer mehr Details zutage, die Charaktere entwickeln sich nicht immer so wie gedacht und manch einer hält eine Überraschung bereit. Es werden ein paar Informationen gestreut, die auf jeden Fall viel Spannung für die nächsten Teile versprechen. Alles in allem ist der Auftakt der Hara-Chroniken solide Fantasy mit interessanten Charakteren, einer spannenden Geschichte in einer bildhaft beschriebenen Welt zum Mitfiebern und einer gesunden Portion Humor.

Ich freue mich auf den nächsten Teil – hier bleibe ich dran!

© Tintenelfe

Wer sich, wie ich, wundert, warum in einem russischsprachigen Buch eine Frau namens Lahen (wie spricht man denn das h, wo es im Russischen keins gibt?) auftaucht: Im Original heißt sie Laen (Лаэн), man müsste es vermutlich Laën schreiben, um es richtig auszusprechen. Und um die Frage vorwegzunehmen, der Autor wird manchmal auch Pechov (Пехов) geschrieben, was die richtige Aussprache impliziert.

 

Diese Blogger waren auch Windsucher
Bücherstadtkurier
Lesemomente

Eine tolle Steckbriefsammlung aller wichtigen Protagonisten
Autorenwebsite5faesschen

 

Alexey Pehov: Wind – Die Chroniken von Hara 1wind

Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (12. Mai 2014)
Übersetzung aus dem Russischen: Christiane Pöhlmann
ISBN-10: 3492269834
ISBN-13: 978-3492269834
Originaltitel: Искатели ветра (2005)
Preis: € 9,99 [D]
Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff (kein Affiliate-Link)
Gekauft

Die Chroniken von Hara – Reihenfolge

1. Wind
2. Blitz
3. Donner
4. Sturm

 

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Lilienlicht
    Feb 05, 2016 @ 09:46:05

    Liebe Mona,

    schöne Rezension. Wie ich bei Goodreads erwähnte, hat mir schon ein Kumpel die Riehe empfohlen und nach deiner positiven Meinung bin ich auf jeden Fall neugierig darauf. Ich freue mich schon auf deine nächsten Gedanken zu der Reihe und bin gespannt, ob sie dich weiterhin begeistern kann🙂

    Liebste Grüße,
    Diana

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  2. RueSar
    Jan 28, 2016 @ 08:39:21

    Ich wünsche dir noch viel Lesespaß mit der Serie. Mir hat sie im großen und ganzen ganz gut gefallen
    LG

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