Sawubona, Kirsten Boie! [Lesung]

(c) TintenhainAls Herr Wrensch von der Buchhandlung Graff und Frau Lippert von der Stadtbibliothek Braunschweig überlegten, für das erste Literaturfestival der Stadt eine gemeinsame Veranstaltung für Kinder auf die Beine zu stellen, waren sich beiden einig: „Wir wünschen uns Kirsten Boie!“ Wie glücklich der Umstand, dass Kirsten Boie daraufhin antwortete: „Ich wünsche mir immer Braunschweig!“

Bisher war das Wetter immer trübe und regnerisch, wenn Kirsten Boie nach Braunschweig kam, aber heute ist es sonnig und warm, passend zum neuen Buch der Autorin „Thabo – Detektiv und Gentleman: Der Nashorn-Fall“. Meine Tochter hatte das Buch bereits im Leseteam der Buchhandlung Graff gelesen und es war klar, dass wir uns die Lesung anhören wollten.

(c) Tintenhain

Wie kommt es überhaupt, dass Kirsten Boie ein Buch geschrieben hat, das in Afrika spielt? Eigentlich fühlt sie sich nämlich gar nicht dazu autorisiert, das können afrikanische Autoren doch viel besser! Doch leider, so stellt sie fest, gibt es keine afrikanische Tradition in der Literatur für Kinder. Also musste sie dann eben das Buch doch selbst schreiben. Der Junge Thabo lebt in Swasiland, einem Land ganz im Süden Afrikas. Hier haben so viele Menschen AIDS, wie nirgendwo sonst auf der Welt und entsprechend viele sterben in jungen Jahren. Das durchschnittliche Höchstalter liegt bei 31 Jahren. Demzufolge gibt es in Swasiland viele sogenannte AIDS-Waisen, für die sich Kirsten Boie seit bereits neun Jahren einsetzt. Einmal im Jahr bereist sie das Land und bietet Unterstützung und Hilfe.

Auch wenn die Figuren in „Thabo“ – im Gegensatz zu denen in ihrem Buch „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ – fiktiv sind, so haben doch viele Kinder dabei Pate gestanden. Thabo, der sein Alter nicht nennt, weil ein Gentleman so etwas nicht tut, wird zum Detektiv als im Nationalpark, in dem sein Onkel arbeitet, ein Nashorn gewildert wird. Das arme Tier liegt verblutet am Boden, die Hörner wurden ihm entfernt. Wusstet Ihr, dass man mit dem Verkauf eines solchen Horns bis zu 250.000€ erzielen kann?! Und warum? In vielen asiatischen Kulturen gilt das Horn eines Nashorns (obwohl es wie unsere Haare und Nägel nur aus Keratin besteht) als Allheil- und Zaubermittel. Ein Gramm des Pulvers ist so viel wert wie ein Gramm Gold.
Ganz klar, dass Thabo und seine Freunde deshalb gleich den unfreundlichen Chinesen in Verdacht haben.

8c) TintenhainKirsten Boie las ein wenig aus ihrem Buch vor und die Kinder im Raum lauschten gespannt. Wieder einmal ist es ihre unnachahmliche Erzählweise, die fesselt, aber natürlich auch das spannende Krimithema mit echten Pistolen.

Dann hatten die Kinder Zeit, ihre unzähligen Fragen zu stellen und so erfuhren wir, dass Kirsten Boie für ihr Buch etwa vier Monate gebraucht hatte und Band 2 auch schon fertig ist. Er erscheint im August unter dem Titel „Thabo-Detektiv und Gentleman: Die Krokodilspur“ Auch ein dritter Band ist bereits in Planung, wenn auch noch nicht geschrieben. Er wird vielleicht etwas mit „Rinderdieben“ im Titel haben, aber das ist noch nicht ganz sicher. Und ganz, ganz vielleicht klappt es sogar „Thabo“ in siSwati zu übersetzen. Immerhin interessiert sich ein Journalist aus Swasiland für das Buch und möchte, dass auch Kinder in Swasiland das Buch lesen können. Drücken wir die Daumen!

Sehr interessant war auch die Antwort auf die Frage, wie es eigentlich dazu kam, dass Kirsten Boie Autorin geworden war. Sie hat schon immer gern Geschichten erzählt und musste mangels interessierter Zuhörerschaft auch schon mal ihren jüngeren Bruder bestechen. Aufschreiben war ihr nämlich zu aufwändig. Das änderte sich, als sie ein Kind adoptieren wollte und das Jugendamt ihr die Auflage erteilte, nicht mehr als Lehrerin (so ihr eigentlicher Beruf) arbeiten zu gehen. Da entschloss sie sich, eben heimlich Bücher zu schreiben. Gott sei Dank! Inzwischen sind ihre Bücher in viele Sprachen übersetzt beliebt bei Jung und Alt, auch wenn sie eigentlich nur für Kinder und Jugendliche schreibt.

(c) TintenhainDie Idee zu ihrem ersten Buch „Paule ist ein Glücksgriff“ kam ihr übrigens beim Füttern ihres Sohnes. Plötzlich waren die ersten Sätze in ihrem Kopf und als das Kind endlich schlief, schrieb sie sie schnell auf. Und es kamen immer mehr Sätze hinzu. So geht es ihr noch heute, sie fängt an, und es formen sich immer mehr Sätze, die sich zu einem Buch ergeben.

Sie erzählte ganz nebenbei auch immer wieder von Swasiland. Von der Schulpflicht, die man paradoxerweise aber nur erfüllen kann, wenn man eine Schuluniform hat. Oder davon, dass die Kinder mit ihrer Muttersprache siSwati groß werden, in der Schule aber plötzlich nur noch Englisch sprechen, was sehr schwierig für die Kinder ist. Auch von den Wilderern in den Nationalparks erzählt sie, und wie die große Not auch Wildhüter verführt, sich daran zu beteiligen.

Zum Schluss brachte Kirsten Boie uns noch ein wenig siSwati bei, die Landessprache Swasilands. Im Chor wiederholten wir die Grußformeln und begrüßten uns mit Sanibonani! und Ngiyabonga!

Beim anschließenden Signieren nahm sich Kirsten Boie Zeit für ein kurzes Gespräch. Wir stellten dabei fest, dass wir beide sehr bedauern, dass es die „Albert“-Bücher nicht mehr gibt. So hat unser Purzelchen leider auch kein signiertes Buch bekommen. Aber die beiden Großen haben ganz stolz ihre Schätze nach Hause getragen.

Ngiyabonga, Kirsten Boie! Es war ein zauberhafter Nachmittag!

© Tintenhain

 

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