Yrsa Sigurðardóttir: Nebelmord [Rezension]

nebelmord

 

Auf der winzigen Leuchtturminsel Stóridrangur vor der Küste Islands sollen drei Männer und eine Frau Wartungsarbeiten durchführen. Die Insel ist vom Nebel umhüllt und etwas lauert in den undurchsichtigen Nebelschwaden. Am nächsten Morgen ist einer der Männer verschwunden.

Die Polizistin Nína, deren Mann nach einem Selbstmordversuch im Koma liegt, hat sich bei ihren Vorgesetzten unbeliebt gemacht und muss nun die alten Archive aufräumen. Sie entdeckt einen alten Fall, in dem ihr Mann vor dreißig Jahren als Kind eine Zeugenaussage gemacht hat. Doch ein Teil der Akte fehlt. Besteht hier vielleicht ein Zusammenhang?

Nach einem Haustausch mit einem Paar aus den USA kehren Nói und seine Familie aus dem Urlaub zurück. Das amerikanische Paar hat das Haus in einem seltsamen Zustand zurückgelassen. Die Außenlampen sind zerstört, sie haben sie schmutzige Wäsche vergessen und das Bettzeug fehlt obendrein. Auch der Schlüssel zum Sommerhaus ist nicht auffindebar, dafür jedoch seltsdame Aufnahmen der Überwachungskamera. Die E-Mails an das Paar laufen ins Leere…

Wieder einmal schafft es Yrsa Sigurðardóttir mich mit einem ihrer Stand-Alone-Thriller zu begeistern.
Die Handlung ist in drei Stränge angelegt, die auf den ersten Blick erst einmal nichts miteinander zu tun haben. So entfaltet sich die Geschichte auch langsam und gewinnt erst nach dem ersten Drittel an Fahrt. Die Vorkommnisse ereignen sich innerhalb weniger Tage und es ist interessant, zu verfolgen, in welchem Handlungsstrang wann was passiert. Die Daten in den Kapitelüberschriften sollte man also ruhig im Blick behalten.

Yrsa Sigurðardóttir spielt mit düsteren Schauplätzen, unheimlichen Geräuschen und Schatten sowie Geheimnissen aus vergangenen Zeiten. Es gelingt ihr, eine bedrohliche Spannung aufzubauen, die eine Mischung aus Grusel, Beklemmung und Ruhelosigkeit erzeugt. Man kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie die Vorkommnisse zusammenhängen. Denn soweit sie auch nichts miteinander zu tun haben können, so klar ist auch, dass sie es müssen.

Beklemmend ist vor allem die Situation der vier Menschen auf der winzigen Leuchtturminsel, auf der sich kaum Platz findet und wo die einander nicht besonders sympathischen Personen auf engstem Raum miteinander ausharren müssen. Der Hubschrauber, der sie hätte abholen müssen, ist ausgefallen und ein Ersatz erst am nächsten Tag in Sicht. Der dichte Nebel tut sein übriges, um die ungemütliche, ja geradezu bedrohliche Stimmung zu verstärken. Auch in dem Haus von Nói und Vala geht es nicht mit rechten Dingen zu, nur will Vala nichts davon wissen. Es bleibt Nói allein überlassen, herauszufinden, was in ihrer Abwesenheit geschehen ist. Mit Nína, der Polizistin, fiebert man wohl am meisten mit. Ihr Mann, der Journalist Þröstur, liegt nach einem nicht nachvollziehbaren Selbstmordversuch im Koma. Nína setzt sich auf die Spur eines alten Falls und bringt damit Licht ins Dunkel.

Yrsa Sigurðardóttir hat insbesondere mit ihrer Leuchtturminsel einen ganz besonderen Schauplatz gefunden, für ein Drama wie gemacht. Das isländische Flair wird gut eingefangen und es gibt auch ein wenig Gruselstimmung, wobei es sich bei „Nebelmord“ nicht um einen Geisterthriller wie „Geisterfjord“ (Rezension) handelt. Vielmehr lösen sich die meisten Vorkommnisse logisch auf und es findet alles zu einem schlüssigen Ende. Auch wenn sie versucht, noch eins obendrauf zu setzen. Meiner Meinung nach nicht ganz gelungen.

Auf jeden Fall ist „Nebelmord“ eine absolute Leseempfehlung, die mich einmal mehr zum Fan der Autorin macht.

© Tintenhain

Leseprobe

Auch diese Blogger waren auf der Leuchtturminsel
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Bücher-Monster

Yrsa Sigurðardóttir: Nebelmord5 Tintenfaesschen

nebelmordTaschenbuch: 400 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 3 (23. Oktober 2014)
Originaltitel: Lygi
Übersetzung aus dem Isländischen: Tina Flecken
ISBN-10: 359603065X
ISBN-13: 978-3-596-03065-1
Preis: € 9,99 [D]
Kaufen und liefern lassen: buchhandel.de (kein Affiliate-Link)
Büchereibuch

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Yrsa Sigurðardóttir: DNA [Rezension] | Tintenhain
  2. Anna
    Jul 14, 2016 @ 15:51:23

    Schöne Rezension. Kann ich absolut unterschreiben. Absolute Leseempfehlung, aber „Geisterfjord“ finde ich noch besser. Wahrscheinlich, weil es eben wirklich ein „Geisterthriller“ ist und ich würde zu gerne noch mehr in der Art lesen. Habe daher neulich zu „Der Fluch von Belheddon Hall“ gegriffen und mich von den begeisterten Rezensionen leiten lassen. Mannmannmann. Ich werfe so gut wie nie Bücher weg und finde immer einen Weg, um sie weiterzugeben. Aber dieses Buch ist im Müll gelandet. Das war meine Rache.😉

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  3. Nicole Wagner
    Jul 12, 2016 @ 08:55:20

    Hallo Mona,

    es klingt ja fast so gut wie „Geisterfjord“. Ich freue mich total auf weitere Bücher der Autorin und auch wenn es vielleicht nicht ganz so gruselig ist, wird „Nebelmord“ sicher bald gelesen sein.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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