Alexa Hennig von Lange: Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte [Rezension]

Cover (c) Thienemann-Esslinger

 

Weil Lisas Mutter als Kind mal beinahe entführt wurde, wird sie von Mutter und Vater rund um die Uhr überwacht und kann sich der Kontrolle ihrer Helikopter-Eltern kaum entziehen. Zu allem Überfluss ist die Familie nun auch noch an den Stadtrand gezogen, der Lisa wie ein „Alte-Leute-Planet“ vorkommt. Weit und breit keine Spielkameraden in Sicht. Bis sie erfährt, dass die Villa in der Nachbarschaft ein Waisenhaus werden soll. Ein Haus für Kinder ohne Eltern, das erscheint Lisa paradiesisch. Als sie beschließt, sich das Waisenhaus genauer anzuschauen, ist nur der Gärtner Lukas da, dem Lisa erzählt, sie sei ein Waisenkind und schon mal früher angereist. Vom eigenen Mut ganz angetan, nimmt sie eine angebotene Walnuss an, obwohl sie weiß, dass sie eigentlich allergisch auf Nüsse reagiert.
Diese Nuss befördert die Elfjährige nicht nur auf die Krankenstation des Waisenhauses, sondern stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf.

„Mein Lieblingsspiel ist es, meiner Mama nicht zu antworten. Sie wird dann sofort nervös und denkt, dass ich entführt wurde, obwohl sie genau weiß, das ich mich in meinem Zimmer langweile. Das ist einerseits ziemlich absurd, auf der anderen Seite ist es der einzige Spaß, der mir geblieben ist.“ (S. 10)

Die elfjährige Lisa ist ein Mädchen, das das Leben mit viel Humor und Selbstironie nimmt. Die Beschreibungen der Ich-Erzählerin nehmen ihre Umwelt gezielt aufs Korn, so dass schon die ersten Seiten des Buches mich immer wieder laut auflachen lassen haben. So beschreibt Lisa ihre sie rund um die Uhr beschützenden Eltern zwar liebevoll, aber man merkt schon, dass das Mädchen total genervt, wenn nicht manchmal sogar verzweifelt, ist und seine Lage eigentlich nur noch mit Humor überstehen kann. Zu allem Überfluss ist Lisa durch den Umzug auch noch ihre beste Freundin Alice los, die in Estelle einen Ersatz gefunden hat und Lisa inzwischen komplett ignoriert. Umso mehr freut sich Lisa als sie im Waisenhaus neue Freunde findet, auch wenn sie den Verlust von Alice nicht verwinden kann.

„Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte“ ist vordergründig ein lustiger, leichter Roman mit viel Situationskomik und herrlich pointierten Beschreibungen. Doch recht schnell schimmern auch  Themen wie die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Liebe durch und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Durch die Waisenkinder erlangt Lisa einen anderen Blick auf die eigenen Eltern. Denn wie fühlt es sich an, wenn man keine mehr hat und das sehnlichste Verlangen darin besteht, an einem richtigen Familiensonntagsessen teilzunehmen? Immer wieder stößt sie mit unbedachten Bemerkungen die Kinder vor den Kopf und wird freundlich, aber bestimmt zurechtgewiesen.

Eine wirklich tolle Figur ist der Lehrer, Herr Manske, der erreichen möchte, dass die Kinder „frei im Kopf“ werden. Man merkt Lisa ihre Verehrung für den auf ungewöhnliche Methoden zurückgreifenden Pädagogen an, auch wenn sie von seinem Vorschlag, wie sie mit Alice wieder ins Reine kommen könnte, nur wenig Begeisterung aufbringen kann.
Was es mit einem der Waisenkinder auf sich hat und warum Lisas Eltern so klammern, darauf möchte ich nicht weiter eingehen, auch wenn man hier schon recht früh weiß, worauf die Geschichte zusteuert. Ich kann aber versprechen, dass der Junge Lisas Leben so richtig auf den Kopf stellen wird und man als Leser während des Lachens vielleicht auch ein Tränchen verdrücken wird.
Das Ende lässt leider noch viele Fragen offen. Ich hätte mir da mehr gewünscht, kann mir aber vorstellen, dass die Zielgruppe an dieser Stelle schon zufrieden sein wird.

Alexa Hennig von Lange erzählt mit Lisas Stimme in lockerem Ton und leicht umgangssprachlich, ohne dabei zu übertreiben. Man hat das Gefühl, die ganze Zeit neben Lisa zu stehen und mit ihr als Kommentatorin das Geschehen zu beobachten. Mit einer sehr versierten Kommentatorin wohlgemerkt, die immer auf die richtigen Stellen zeigt und einen dabei zum Lachen bringt.
Alexa Hennig von Lange hat mich mit ihrem witzigen, leichten und zugleich tiefgründigen Roman fantastisch unterhalten. Meine beiden großen Mädels lauern schon auf das Buch, denn wenn Mama immerzu laut lacht, muss das echt gut sein! Das mit der Zielgruppe überprüfen wir also noch.

© Tintenhain

Leseprobe

Rezensionen von Bloggern
Claudias Bücherhöhle

Alexa Hennig von Lange: Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte

Cover (c) Thienemann-Esslinger

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (15. Juli 2016)
Illustrationen: Regina Kehn
ISBN-10: 3522184416
ISBN-13: 978-3522184410
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Preis: € 12,99 [D]
Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff
Rezensionsexemplar

 

15 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Verena
    Sep 11, 2016 @ 21:28:26

    Ich verlinke deine Rezension mal in meiner, ich hoffe, das ist ok! LG Verena

    Gefällt 1 Person

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  2. Waltraud Dawood
    Aug 29, 2016 @ 14:21:47

    Hab dieses Buch gerade zu Ende gelesen und bin berührt und begeistert. Habe herzlich gelacht. Sie schreibt einfach grandios. Auch ein Buch für Erwachsene!

    Gefällt mir

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  3. Selmi
    Aug 16, 2016 @ 09:58:15

    Meine Kibder sind 12/8/6…
    Ob es schon was ist für meine 2 kleinen zum Vorlesen 🤔

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    • Tintenelfe
      Aug 16, 2016 @ 14:13:43

      Hallo Selmi,

      dein 8jähriges Kind wird vorgelesen bestimmt Spaß mit dem Buch haben. Bei dem 6jährigen bin ich nicht so sicher. Meine 12Jährige, die das Buch gerade gelesen hat, hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass Lisa ja gerade am Anfang der Pubertät steht (und das manchmal als Ausrede benutzt). Ihrer ehemaligen besten Freundin ist gemeinsam mit der neuen Freundin auch das Thema Schminken und Klamotten wichtig. Mit 6 kann man damit sicher nicht viel anfangen, auch wenn das im Buch eher nebensächlich ist.
      Sonst schau doch vielleicht mal in die Leseprobe
      https://www.vorablesen.de/buecher/wie-eine-nuss-mein-leben-auf-den-kopf-stellte/sample

      Viele Grüße
      Mona

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  4. Nina
    Aug 10, 2016 @ 17:37:51

    Ich habe es heute gekauft und verschenkt. Ich möchte es auch unbedingt lesen.

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  5. rustlingofpages
    Aug 06, 2016 @ 08:58:09

    Jeden Tag in der Arbeit gehe ich an dem Buch vorbei und überlege, ob ich es nicht doch lesen sollte. Es klingt nämlich toll und auch wenn ich mir vorgenommen habe, im Moment mal keine Bücher mehr nach Hause zu schleppen, so bin ich doch versucht.
    So wie du die Geschichte beschreibst, bin ich jetzt nochmal neugieriger geworden. Mal sehen, vielleicht lese ich auch mal in der Arbeit rein, aber psst!😉
    LG
    Klaudia

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