Caroline Eriksson: Die Vermissten [Rezension]

Cover (c) Penguin Random House

Das grünschwarze Wasser leuchtet geheimnisvoll in der untergehenden Sommersonne. Der Abend könnte nicht schöner sein, als Greta, Alex und Tochter Smilla mit dem Boot zur kleinen Insel in der Mitte des Sees fahren. Greta bleibt am Ufer, während die anderen beiden neugierig auf Entdeckungstour gehen. Aber sie kommen nicht mehr zurück. Beunruhigt macht sich Greta auf die Suche – doch von Alex und Smilla fehlt jede Spur… In ihrer wachsenden Verzweiflung wendet sie sich an die Polizei. Schnell wird klar, dass Gretas eigene Geschichte ebenso große Rätsel aufwirft wie das Verschwinden ihrer Lieben. Und die Frage: Hat sie etwas damit zu tun? (Klappentext)

Der schwedische Erfolgsthriller beginnt sehr atmosphärisch an einem kleinen Waldsee, über den gruselige Geschichten im Umlauf sind und dessen wahren Namen niemand kennt. Die Familienidylle, die zu Anfang gezeichnet wird, wird jedoch schnell zerstört. Gretas Mann Alex und die kleine Smilla verschwinden spurlos und in Folge dessen rennt Greta kopflos über die Insel und um den See. Ihre Gedanken sind wirr, sie weiß weder aus noch ein. Immer wieder denkt sie zurück an ein Ereignis in ihrer Kindheit, das sie offensichtlich schwer traumatisiert hat. Besteht hier ein Zusammenhang?

Das Buch ist vorrangig aus Gretas Sicht in der ersten Person geschrieben, so dass man tiefen Einblick in Gretas konfuse Gedankenwelt bekommt. Zeitweise ist ihre Suche nach der Wahrheit dermaßen wirr, dass man ihren Gedanken kaum folgen kann. Stets bleibt unklar, was Wahn und was Realität ist. Zwischenzeitlich kommt später eine zweite Stimme hinzu, von der man allerdings anfangs überhaupt nicht weiß, um wen es sich dabei handeln könnte. Erst zum Schluss finden die Fäden zusammen. Dann musste ich die kursiven Teile allerdings noch mal nachlesen, da sie so unpassend waren, dass ich den Inhalt längst wieder vergessen hatte. Erst im Kontext ergeben sie einen Sinn.

Das künstliche Wirrwarr, dem der Leser ausgesetzt wird, dient wohl vorrangig dazu, Spannung aufzubauen und falsche Spuren zu legen. Mich haben diese konstruiert wirkenden Gedankensprünge schon bald gelangweilt und genervt, so dass ich binnen kurzem mit dem Gedanken gespielt habe, das Buch abzubrechen. Es entwickelt dennoch einen gewissen Sog, so dass ich zeitweise quer gelesen habe, nur um noch herauszufinden, inwieweit ich mit meinen Vermutungen richtig liegen würde. Dazu beigetragen hat auch Erikssons gut zu lesender Schreibstil, der mit kurzen Sätzen durch das Buch treibt.

Gut, dass ich dran geblieben bin, denn zum Ende hin wird es sehr viel klarer und der Schluss ist sehr intensiv geschrieben, so dass ich doch noch zu meinem Lesegenuss und echter Spannung kam. Auch wird der Plot zur absoluten Zufriedenheit aufgelöst. Schlussendlich  birgt „Die Vermissten“ eine deutliche Botschaft, die das Buch im nachhinein wiederum lesenswert macht. Der Weg dahin war in meinen Augen leider komplett überspannt.

© Tintenhain

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Caroline Eriksson: Die Vermissten

Cover (c) Penguin Random House

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (8. August 2016)
Originaltitel: De Försvunna
Übersetzung aus dem Schwedischen: Wibke Kuhn
ISBN-10: 3328100385

ISBN-13: 978-3328100386
Preis: 13,00 € (D)
Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff (kein Affiliate-Link)
Bücherei

 

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Ela
    Mai 17, 2017 @ 10:23:07

    Ich hab ihn ja auch als Hörbuch gehört und war leider nicht ganz so zufrieden damit.
    Mich störten die immer wiederkehrenden Längen, die mir jedes Mal aus Neue die Spannung nahmen.
    Für mich verlor sich der Thriller in zu vielen Details.
    LG Ela

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  2. kitsune_miyagi
    Mai 12, 2017 @ 22:07:35

    Vielen Dank für die Verlinkung. Mir hat es anscheinend als einzige nicht gefallen. Aber vielleicht war es auch einfach nur die falsche Zeit für dieses Buch gewesen. Verlinke dich gleich noch.

    Gefällt mir

    Antwort

  3. Nicole Wagner
    Mai 12, 2017 @ 18:44:30

    Hallo Mona,

    ich muss dir wieder einmal zustimmen! Ich habe es als Hörbuch gehört und fand es einige Zeit lang recht wirr, aber das wurde dann und ich habe mich das ganze Hörbuch lang unterhalten gefühlt. Also, im Endeffekt ist es doch lesenswert.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  4. nilibine70
    Mai 12, 2017 @ 11:02:47

    Ich war auch gefangen, aber auch ich mags gern psychisch irre verworren 😉

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  5. FiktiveWelten
    Mai 12, 2017 @ 10:24:11

    Mir hat das Gedankenwirrwarr im Sinne „viele Wege führen nach Rom“ gut gefallen. Aber ich mag es ohnehin psychisch-verworren. ;o)

    Liebe Grüße
    Patricia

    Gefällt 2 Personen

    Antwort

  6. wortgeflumselkritzelkram
    Mai 12, 2017 @ 08:01:06

    Mich hat es ziemich gefesset 🙂 ok – jetzt habe ich das pobem mit den fehenden buchstaben 🙂

    Gefällt 1 Person

    Antwort

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