Harlan Coben: In ewiger Schuld [Rezension]

Cover (c) Goldmann - Random House
Maya – Pilotin und nach einem umstrittenen Einsatz aus dem Militär entlassen – blickt fassungslos auf die Filmaufnahmen ihrer Nanny-Cam: Dort spielt ihre kleine Tochter seelenruhig mit Mayas Ehemann Joe. Doch Joe wurde zwei Wochen zuvor brutal ermordet – und Maya hat tränenblind an seinem Grab gestanden. Kann Maya ihren Augen trauen? Wer würde sie so grausam täuschen? Und was geschah wirklich in der Nacht, in der Joe ermordet wurde? Um Antworten auf all ihre Fragen zu finden, muss Maya sich den düsteren Geheimnissen nicht nur ihrer eigenen Geschichte stellen. Sie muss auch tief in die Vergangenheit von Joes reicher Familie eintauchen. Doch dort ist sie plötzlich nicht mehr willkommen … (Klappentext)

Harlan Coben ist eine meiner Entdeckungen des letzten Jahres und bisher habe ich jedes seiner Bücher mit Begeisterung verschlungen. Das Schöne, seine Bücher so spät entdeckt zu haben, ist ja, dass ich noch so viele vor mir habe und doch konnte ich es kaum erwarten, seinen gerade bei Goldmann erschienen neuen Thriller „In ewiger Schuld“ in den Händen zu halten. Gerade mal zwei Tage dauerte das Lesevergnügen, auch dieses Buch konnte ich kaum aus der Hand legen.

„In ewiger Schuld“ beginnt ungewohnt langsam, vor allem wenn man aus dem Klappentext schon weiß, was passieren wird. Für Maya, die nach ihrer Schwester nun auch ihren Mann verloren hat, dreht sich alles um ihre kleine Tochter Lily. Kein Wunder, dass sie auf die Idee ihrer besten Freundin Eileen einsteigt, in der Wohnung eine Nanny-Cam zu installieren. Zwar kommt es Maya abwegig vor, dass das Kindermädchen, dessen Familie schon seit Ewigkeiten in der schwerreichen Familie ihres Mannes etwas Verbotenes tun sollte, doch so ganz hat Maya nie zu den Burketts gehört und ihrer Schwiegermutter traut sie auch nicht so recht über den Weg. Zu ihrer großen Überraschung entdeckt sie tatsächlich etwas auf dem Überwachungsvideo: Ihren Mann Joe, der mit Lily im Wohnzimmer spielt. Doch Maya war dabei, als Joe erschossen wurde. Sie ist sich beinahe sicher, dass sie ihren Augen nicht trauen kann.

Maya Burkett ist eine ganz besondere Frau. Als Hubschrauberpilotin hat sie in der Army gedient, mit ihrem ganzen Wesen ist sie Soldatin. Doch ein Zwischenfall im Irak, bei dem Zivilisten ums Leben kamen, hallt bis heute in der jungen Frau nach, die seitdem den Dienst quittieren musste. Mit ihrem Mann Joe und der kleinen Lily versucht sie ein ganz normales Familienleben zu führen, doch ihre Flashbacks treiben sie immer wieder an den Rand der Verzweiflung.

Coben spielt wie immer gern mit Vertrauen oder vielmehr der Frage, wem man noch vertrauen kann. In diesem Thriller treibt er es auf die Spitze, denn Maya traut inzwischen niemandem mehr, selbst ihrer eigenen Wahrnehmung nicht. Allein bei Shane, ihrem Kameraden aus dem Irakkrieg, hat sie ein Gefühl von Sicherheit. So kommt es auch bei „In ewiger Schuld“ immer wieder zu neuen Wendungen und Überraschungen, ein Punkt, der mich bei Harlan Coben immer wieder aufs Neue begeistert. Auch sein einfühlsamer Umgang mit dem Thema der Kriegsveteranen hat mich überzeugen können. Die wenigen Figuren sind authentisch und realitätsnah. Mir gefällt auch, wie Harlan Coben Themen wie die zunehmende Überwachung – auch unserer Kinder – oder das Thema Waffenbesitz angeht: Er weist auf Missstände hin, ohne dabei den Fokus zu sehr darauf zu setzen. Ganz nebenbei kann man sich eine eigene Meinung dazu bilden.

Coben erzählt mit Leichtigkeit und strickt ein vielschichtiges Netz aus Intrigen, Geheimnissen und Emotionen. Seine Stärke, immer wieder für Überraschungen zu sorgen, spielt er auch hier wieder aus. Allein der Aufbau der Grundidee dauert einen Tick zu lang.
Alles in allem war Cobens neuer Thriller mal wieder ein packender und gut erzählter Trip voller Spannung und Rastlosigkeit – ein echter Pageturner!

© Tintenhain

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Harlan Coben: In ewiger SchuldCover (c) Goldmann - Random House

Einzelband
Broschiert: 416 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag (21. August 2017)
Originaltitel: Fool Me Once (2016)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Gunnar Kwisinski
ISBN-10: 3442205190
ISBN-13: 978-3442205196
Preis: 14,99 € (D)
Kaufen und kostenlos liefern lassen: Buchhandlung Graff (Affiliate)
Rezensionsexemplar

 

 

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7 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Monatsrückblick August 2017 | Tintenhain
  2. Literaturblogsaarland
    Aug 24, 2017 @ 21:27:52

    Kommt auf die Wunschliste…

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  3. Trackback: Ausgelesen … | wortgeflumselkritzelkram
  4. Claudia Bett
    Aug 21, 2017 @ 20:58:58

    Darauf bin ich auch schon sehr gespannt, und nach Deiner Rezension ist es nun ganz oben auf meiner Wunschliste gelandet. Harlan Coben schreibt einfach klasse. Bislang hat mich nur ein einziges Buch enttäuscht. „Ich schweige für dich“ fand ich leider sehr langatmig, aber alle anderen Bücher von ihm haben mich komplett begeistert. „Das Grab im Wald“ war mein absolutes Highlight von ihm und gehört noch immer zu den besten Thrillern, die ich jemals gelesen habe. Danke für Deine Rezension – jetzt freue ich mich noch mehr darauf 😉
    Liebe Grüße
    Claudia

    Gefällt mir

    Antwort

  5. juergenalbers
    Aug 21, 2017 @ 08:12:02

    Hallo Mona,
    vielen Dank für die schöne, appetitanregende Rezension. Ich schleiche – das muss ich gestehen – schon eine Weile um die Bücher von Harlan Coben herum, konnte mich aus unerfindlichen Gründen aber bisher nicht durchringen. Ich kann gar nicht sagen, was mich abgehalten hat. Vielleicht musste einfach das „richtige“ Thema kommen. Mit PTBS hatte ich ja immer wieder Berührungspunkte und kann dieses Wegbrechen jeglichen Vertrauens – bis hin zum Eigenmisstrauen – gut nachvollziehen. Bin sehr gespannt, wie Coben das Thema angeht. Danke für die Empfehlung!
    Liebe Grüße
    Jürgen

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    Antwort

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