Yrsa Sigurðardóttir beim Mordsharz-Krimifestival [Lesung]

Gerade erst im letzten Jahr war Yrsa Sigurðardóttir, der ich meine neue entdeckte Leidenschaft für unblutige Krimis und Thriller zu verdanken habe, in Braunschweig beim Krimifestival und stellte den Auftakt zu ihrer neuen Ermittlerreihe „DNA“ vor. Als ich hörte, dass sie in diesem Jahr in den Harz zum „Mordsharz“-Krimifestival kommen würde, stand für mich und meine Freundin fest, dass wir die Anreise nur zu gern auf uns nehmen würden.

Diese gestaltete sich dann am Mittwoch dank des Sturmtiefs „Sebastian“ schwieriger als gedacht. Doch nur mit wenigen Minuten Verspätung kamen wir in Wernigerode im wunderschönen Schloss an. Doch zu unserem großen Entsetzen waren die Türen bereits verriegelt und verrammelt. Mit weiteren Leidensgenossen suchten wir vergeblich eine Möglichkeit, zur Eröffnungsgala in die Schlosskirche zu gelangen.

Nach einer halben Stunde im wieder einsetzenden Nieselregen trafen wir auf einen Mitarbeiter, der uns zwar widerstrebend, aber dann doch noch hilfsbereit auf die Empore ließ, so dass wir zumindest noch einen Eindruck von der Lesung von Emelie Schepp und ihrem neuen Thriller „Engelsschuld“ erhielten. Die Hörbuchsprecherin Julia Nachtmann las die deutschen Parts. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund meiner Höhenangst und der schlechten Akustik nur schwer zuhören konnte. Auch konnte man nicht besonders gut sehen. Daher waren wir ganz froh, in der Pause nach unten in das Kirchenschiff wechseln zu können.

Bevor mit der Lesung von Yrsa Sigurðardóttir der zweite Teil der Eröffnungsgala begann, konnten wir am Büchertisch bereits den neuen Thriller „Sog“, der am 18.09.2017 bei btb (Random House) erscheint, erwerben. Außerdem traf ich eine nette Leserin, die mich auf Instagram entdeckt hatte und wir unterhielten uns. Es ist doch immer wieder schön, neue Netzmenschen kennenzulernen.

Dann endlich betrat Yrsa unter Applaus die Kirche, staunte über die schöne Location und erfreute den Gastgeber mit dem Geständnis, dass es auf Island keine solch schönen Kirchen geben würde, da der dänische König sich nie besonders für Island interessiert habe. Mit großem Applaus wurde auch Hörbuchsprecher Dietmar Wunder begrüßt, den viele als Synchronsprecher von Daniel Craig als James Bond kennen.

Yrsa leitete dann in ihr neues Buch mit einem Auszug aus dem isländischen Original ein. Ich habe es mal mit einem kleinen Video probiert und hoffe, Ihr könnt so daran teilhaben.

Anschließend las Dietmar Wunder ausdrucksvoll Passagen aus „Sog“, die er jeweils mit einem lauten Knall beendete, so dass das Publikum stets erst zusammenzuckte und dann erleichtert auflachte. Der Moderator Christoph Lampert vom Brockenhaus stellte zwischen den Lesungsabschnitten Fragen an Yrsa und Dietmar Wunder und lockerte damit die Lesung auf. So erzählte Yrsa, dass sie zunächst Kinderbücher geschrieben hatte. Als dann ausgerechnet das, welches sie für das schlechteste hielt, einen Preis erhielt, beschloss sie mit dem Schreiben aufzuhören. Glücklicherweise wurde ihr jedoch von einem Verlag angetragen, es doch mal mit Krimis zu versuchen. Von Dorá Guðmundsdóttir, der Anwältin der ersten Krimireihe, werden wir allerdings nicht mehr unbedingt etwas zu lesen bekommen. Yrsa ist nach einer Weile tatsächlich von ihren eigenen Figuren gelangweilt und möchte etwas Neues beginnen. Sie schreibt jedoch bereits am vierten Buch der Huldar-und Frejya-Reihe und kann sich vorstellen, dass es circa sechs Bände werden, bevor sie sich etwas Neuem zuwendet. Einem Zombieroman vielleicht, wie sie augenzwinkernd scherzt.

Christoph Lampert fragte auch nach der Gewalt in Yrsas Büchern, die bereits in „DNA“ eine Rolle spielte und offensichtlich in „Sog“ entsprechende Aufmerksamkeit erregt. Dietmar Wunder sagte dazu, dass für ihn als Schauspieler und Hörbuchsprecher extreme Gewalt natürlich sehr spannend umzusetzen sei. Privat beim Lesen jedoch findet er den Film im Kopf dann doch eher erschreckend. Es gefällt ihm jedoch, wie Yrsa Gewalt zwar andeutet, aber die Dinge nicht voyeuristisch ausmalt, sondern eher anmoderiert.

„Sog“ basiert auf einer wahren Geschichte, die wirklich grausam ist und die sie noch grausamer gestaltet hat. Sie hatte beim Schreiben eine solche Wut im Bauch, die sich offensichtlich im Roman widerspiegelt. Dietmar Wunder seinerseits lobte die fesselnden Figuren, die große Wirkung auf den Leser entfalten.
Nach einer kleinen Fragerunde, in der die Zuschauer noch einige Fragen loswerden konnten, lud Dietmar Wunder noch zu einem kleinen Gedankenexperiment ein, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Stellen Sie sich vor, Sie sind in Wernigerode in einem coolen Straßencafé. Sie trinken Ihren Martini. Plötzlich hören Sie ein lautes Autogeräusch. Es kommt ein Wagen vorgefahren. Ein exklusives Auto einer britischen Automobilmarke. Die Tür geht auf, ein Mann steigt aus. Wahrscheinlich einen Tom-Ford-Anzug tragend. Er hat blonde Haare, blaue Augen. Er kommt direkt auf Sie zu und sagt:
„Entschuldigen Sie, trinken Sie gerade einen Martini?“
„Ja.“
„Mmh. Ist er gut?“
„Ja, trinken Sie auch Martini?
„Manchmal.“
„Trinken Sie ihn gerührt oder geschüttelt?“
„Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert? Ist neben Ihnen noch frei?“
„Ja, natürlich setzen Sie sich!“
„Entschuldigen Sie, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Bond. – James Bond!“

Im Anschluss an die Lesung konnte man sich natürlich noch Bücher signieren lassen und ein paar Worte mit Yrsa oder Dietmar Wunder wechseln. Besonders gefreut hat mich, dass Yrsa mich erkannte und auf die Twitterkommunikation ansprach. Es ist wirklich toll, dass sie dort mit ihren Fans in den Austausch tritt. Ein Autogramm und ein gemeinsames Bild gab es dann auch noch und während Ihr diesen Bericht lest, bin ich bereits in „Sog“ versunken.

© Tintenhain

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8 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. mikkaliest
    Sep 26, 2017 @ 19:47:50

    Huhu!

    Weil ich einer Bekannten von einem Buch der Autorin erzählen wollte, habe ich mal extra nachgeforscht, wie man ihren Namen ausspricht! 🙂

    Bisher habe ich von ihr nur „Geisterfjord“ und „Seelen im Eis“ gelesen, die fand ich aber beide sehr gut und ich will noch mehr von ihr lesen.

    Die Lesung klingt sehr interessant, da wäre ich auch gerne dabei gewesen! Jetzt hätte ich richtig Lust, „Sog“ zu lesen.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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  2. irveliest
    Sep 18, 2017 @ 20:32:37

    Liebe Mona,
    danke für diesen tollen Bericht! Nun juckt es mir erst recht in den Fingern, ganz bald SOG zu hören…. Die Story klingt so gut und Dietmar Wunder ist mein absoluter Lieblingssprecher 🙂
    Beste Grüße, Heike

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    Antwort

  3. Tobias Illing
    Sep 17, 2017 @ 20:23:23

    „Als dann ausgerechnet das, welches sie für das schlechteste hielt, einen Preis erhielt, beschloss sie mit dem Schreiben aufzuhören.“
    Besser hätte es Sir Terry Pratchett auch nicht schreiben können.

    Gefällt mir

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  4. Nisnis Bücherliebe
    Sep 16, 2017 @ 18:12:49

    Liebe Mona,

    vielen Dank für diesen schön und vor allem informativen Beitrag. Was ein Glück, dass ihr noch eingelassen wurdet.

    Wunderbar informative Dinge berichtest du und ich kann mir Dank deiner Beschreibungen das Flair und die Stimmung dort gut vorstellen. Ich durfte auch einmal eine Lesung in einer Kirche erleben und ich muss sagen, dass ist ein ganz besonderer Ort dafür.

    Ich möchte Sog auf jeden Fall schnell lesen, denn ich mag das ruhige Fahrwasser, das fast gänzlich ohne Blut und Ekel auskommt.

    Liebe Grüße

    Anja

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  5. laberladen
    Sep 16, 2017 @ 10:16:39

    Hab tausend Dank für diesen tollen Lesungsbericht! So können auch die „Daheimgebliebenen“ ein bisschen daran teilhaben. Ich wäre ja wirklich gern dabei gewesen und hoffe, dass Yrsa irgendwann man in meine Nähe kommt und liest. Besonders das kleine Video mit dem Textauszug auf Isländisch war ein super Service, eine schöne Idee, das mitzufilmen.
    Klasse, dass Yrsa Dich im Publikum aufgespürt und angesprochen hat!
    Dieter Wunder habe ich auch schon live bei Lesungen ausländischer Autoren erlebt und weiß, dass er nicht nur ein prima Hörbuchsprecher ist, sondern auch live richtig mitreissend liest.

    LG Gabi

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    • Tintenhain
      Sep 16, 2017 @ 11:19:01

      Danke für dein Feedback. Wahrscheinlich hätte ich ohne Eure Nachfragen gar keinen Bericht geschrieben. ☺
      Aber so habe ich jetzt auch eine schöne Erinnerung zum Nachschlagen.

      Hab einen schönen Tag!
      Mona

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      • laberladen
        Sep 17, 2017 @ 18:40:55

        Wie schön, dass Du Dir die Mühe gemacht hast und diesen tollen Bericht geschrieben hast 😘
        Ich werde mich zum Monatsende mit einem Lesungsbericht einer Andreas Pflüger Lesung revanchieren 😉
        LG Gabi

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  6. Suses Buchtraum
    Sep 16, 2017 @ 09:45:22

    Sehr schöner Beitrag. Ich liebte DNA und freu mich deshalb schon super auf SOG. Das es nach einer wahren Geschichte basiert, wusste ich noch gar nicht. Jetzt bin ich noch gespannter drauf. 😀

    Schönes We und liebe Grüße
    Suse

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