Megan Miranda: Tick Tack – Wie lange kannst Du lügen? [Rezension]

Cover (c) Penguin Random House

Zehn Jahre ist es her, dass Nic ihre Heimatstadt von einem Tag auf den anderen verließ. Doch die Erinnerungen an die Nacht, in der ihre beste Freundin Corinne spurlos verschwand, haben sie nie losgelassen. Hatte jemand aus ihrem Freundeskreis etwas damit zu tun? Eines Tages erhält sie eine geheimnisvolle Nachricht: „Dieses Mädchen. Ich habe es gesehen.“ Nic weiß, dass nur eine damit gemeint sein kann – Corinne. Sie fährt zurück in das von dunklen Wäldern umgebene Städtchen, um herauszufinden, was damals wirklich geschah. Doch schon am selben Abend verschwindet erneut ein Mädchen – das Mädchen, das ihnen allen damals ein Alibi geliefert hatte … (Klappentext)

Der Anruf ihres Bruders, in das kleine Städtchen Cooley Ridge zurückzukehren, um beim Verkauf des Elternhauses zu helfen und eine Nachricht, gekritzelt auf ein Blatt Papier „Ich muss mit dir reden. Dieses Mädchen. Ich habe es gesehen.“ katapultieren Nicolette in die Vergangenheit zurück, mit der sie längst abgeschlossen zu haben glaubte. Zehn Jahre ist es her, dass ihre Freundin Corinne nach einem Jahrmarktbesuch spurlos verschwand. Zehn Jahre ist es her, das Nic das kleine von dunklen Wälder umgebene Städtchen verließ, um ein neues Leben zu beginnen. Bis heute hat die Polizei nicht herausgefunden, was geschehen ist. Doch Nic ist sich sicher, dass sie und ihre Freunde darin verstrickt gewesen sind und gelogen haben.
Es ist wieder Jahrmarkt in Cooley Ridge und noch am Abend von Nics Ankunft verschwindet erneut ein Mädchen. Es ist ausgerechnet Annaleise, die damals allen ein Alibi gab.

Megan Miranda baut bereits auf den ersten Seiten ihres ersten Thrillers für Erwachsene hohe Spannung auf: Die Nachricht ihres Bruders und der geheimnisvolle Zettel. Bereits auf der Fahrt nach Cooley Ridge beginnt Nic sich in Bruchstücken an die Nacht, in der Corinne verschwand, zu erinnern. Man lernt sie und ihre Beziehungen zur Familie kennen, bevor sie auf ihren Bruder Daniel trifft, mit dem sie das Haus zum Verkauf vorbereiten will. Als bereits am Tag ihrer Ankunft ein Mädchen verschwindet, fragt man sich unwillkürlich, ob sich die Ereignisse von damals wiederholen werden.
Doch dann springt Megan Miranda 15 Tage in die Zukunft. Eine Leiche wird gefunden und von nun an entfaltet sich eine ganz besondere Erzählweise. Rückwärts lässt Nic jeden Tag seit ihrer Ankunft Revue passieren und obwohl sich das sehr ungewöhnlich anhört, setzen sich nach und nach Puzzleteile zusammen und man versteht auch so manche Handlungsweise besser als gedacht.

Anfangs hat mich das Rückwärtserzählen konfus gemacht, da man nach jedem Tag 48 Stunden zurück gehen musste, zum Beginn des vorherigen Tages. Immerzu versuchte ich zu überprüfen, ob das alles Sinn ergibt und keine logischen Fehler vorhanden waren. Erst als ich die unvertraute Erzählweise in den Hintergrund rücken ließ und mich vollends auf  die Geschichte einließ, schlug mich die Geschichte so richtig in ihren Bann. Meinem anfänglichen Impuls, doch einfach die einzelnen Tage in der umgekehrten Reihenfolge zu lesen, habe ich glücklicherweise nicht nachgegeben. Denn natürlich erfährt man trotz der Rückwärtsgewandtheit immer mehr Einzelheiten, neue Puzzlestückchen finden ihren Platz und die Geschichte strebt ihrem Höhepunkt kontinuierlich entgegen.

Megan Mirandas erzählerisches Experiment ist geglückt und es ist ihr ein spannender und sehr atmosphärischer Thriller gelungen. Das von Wäldern und Höhlen umgebene Städtchen, in dem jeder jeden kennt und nichts verborgen bleibt, erzeugt eine ganz besondere Stimmung. Man hört das Wispern der Einwohner und das Rauschen des Waldes. Nic, die ihrer Highschool-Liebe Tyler wieder begegnet, und immer noch die besondere Verbindung zu ihm spürt, schwankt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Hierbleiben und Weglaufen.

Auch wenn man ab und an eine Ahnung hat, etwas zu wissen und dem Geheimnis auf der Spur zu sein, eigene Verdachtsmomente sich bestätigen oder weider verlieren, so kam das Ende doch ganz anders als gedacht.
Mir hat der Thriller außerordentlich gut gefallen, auch wenn ich zunächst einmal Schwierigkeiten mit der rückwärts gewandten Erzählweise hatte. Die Figuren sind klar gezeichnet, obwohl man damit rechnen muss, dass jede einen dunklen Schatten verbirgt. Das Tempo wird durchgehend gehalten und die kurzen Rückblenden verhelfen zu einem runden Ganzen, bei dem man als Leser auf jeden Fall aufmerksam dabei bleiben muss.
Für mich ist „Tick Tack“ ein absolut bemerkenswerter und gelungener Thriller. Ich freue mich bereits Megan Mirandas nächste Thriller „The Perfect Stranger“ und „Fragments of the Lost“, die hoffentlich auch ins Deutsche übersetzt werden. Ihr Jugendthriller „Gefährliche Wahrheiten“ (The Safest Lies) erscheint im Dezember bei Carlsen.

 

©  Tintenhain

weitere Rezensionen von Bloggern
Bitte gern Eure Links als Kommentar da lassen.

Leseprobe

Autorenseite

Megan Miranda: Tick Tack – Wie lange kannst Du lügen?Cover (c) Penguin Random House

Einzelband
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (13. November 2017)
Originaltitel: All the Missing Girls
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Elvira Willems, Cathrin Claußen
ISBN-10: 3328101624
ISBN-13: 978-3328101628
Preis: 15,00 € (D)
Gekauft

 

 

 

Advertisements

12 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. lesefreude_book
    Nov 19, 2017 @ 16:33:11

    Hallo!
    Das klingt nach einem sehr interessanten Thriller. Rückwärtsgerichtete Erzählweise mag ich sehr gerne. Allerdings erfordert es ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und auch ein hohes schriftstellerische Können.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  2. Sandra | Zart wie Federblümchen
    Nov 16, 2017 @ 07:59:48

    Guten Morgen.
    Ich musste das Buch abbrechen, denn ich fand es überhaupt nicht gut. Schade eigentlich.

    Lieben Gruß,
    Sandra.

    Gefällt mir

    Antwort

  3. Pink Anemone
    Nov 14, 2017 @ 14:39:41

    Oh das ist ja mal eine ganz andere Erzählweise. Schon alleine deswegen klingt es interessant. Wandert also auf meine WL g

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  4. aer1th
    Nov 14, 2017 @ 12:08:54

    Das klingt echt mal interessant. Reizt mich auch, das Buch.

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  5. Janna | KeJas-BlogBuch
    Nov 13, 2017 @ 17:55:08

    Na DAS klingt doch aber mal reizvoll – Zukunftssprung um dann die Tage rückwärts zu erzählen/durchzugehen. Du hast mich echt neugierig auf die Geschichte gemacht und das Buch ist direkt ganz oben auf die WuLi soeben gelandet.

    Gefällt 2 Personen

    Antwort

  6. ladysmartypants
    Nov 13, 2017 @ 13:30:35

    Hallo 🙂
    Das klingt wirklich nach einem interessanten Erzählkonzept, wobei ich total verstehe, warum es am Anfang sicher das Lesen verkompliziert. Mal was ganz anderes und ich muss sagen, ich finds gut! Seit ich Monika Feth entdeckt habe, steh ich total auf (unblutige) Thriller, die den Gruseleffekt mit geschicktem und gekonnten Erzählen bewirken.

    Liebe Grüße,
    Smarty 🙂

    Gefällt mir

    Antwort

  7. nilibine70
    Nov 13, 2017 @ 13:21:40

    Da geier ich auch noch drauf 🙂

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  8. Shanlira
    Nov 13, 2017 @ 08:46:39

    Guten Morgen,
    das Buch klingt ja wirklich sehr interessant. Da bekomme ich gleich Lust es zu lesen.
    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

    Antwort

  9. wortgeflumselkritzelkram
    Nov 13, 2017 @ 07:24:51

    Klingt sehr gut und kommt auf meine Liste

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Hier gehts zur Top 100 Buchblogger
Die Top100 Literatur-Seiten im Netz
%d Bloggern gefällt das: